Zuviel Fernseh- und Videokonsum stört Hirnleistung

11. November 2001, 16:44
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Neue Theorie: Gedächtnis verfügt nicht über unendliche Reservekapazitäten

Erlangen - Eine ganz neue Theorie zur Entstehung von Altersdemenzen liefern britische Wissenschafter: Sie halten die Hirnleistungsstörungen für das Ergebnis einer Überfrachtung des Gedächtnisses, wie die Zeitschrift "ZNS-Spektrum" berichtet. Demnach fördern starker Fernseh- und Videokonsum die Krankheit ebenso wie die Einnahme von Medikamenten, die vermeintlich die Gedächtnisleistung steigern.

Die Vorstellung, dass das Gedächtnis über unendliche Reservekapazitäten verfüge, sei ein Mythos, betonen die Experten. Einen solchen Luxus könne sich die Natur nicht leisten, zumal das Gehirn bis zu einem Viertel der aufgenommenen Energie verbrauche. Als Beleg verweisen die Forscher darauf, dass Alzheimer-Patienten Informationen in atypischen Hirnbereichen ablegen. Tatsächlich aktivieren nach neuen Studien Gedächtnisaufgaben bei älteren Menschen weitaus mehr unterschiedliche Gehirnbezirke als bei jüngeren.

Speicherplätze erschließen

Dies sei Ausdruck einer Anpassungsleistung, bei der sich das Gehirn noch vorhandene Speicherplätze erschließe, erklären die Experten. Ähnlich wie bei einer vollen Computer-Speicherplatte brauche ein solches Gehirn dann aber auch länger, um Informationen wieder aufzufinden. Den Einwand, dass Menschen mit umfangreichem Wissen keineswegs häufiger Demenzen entwickeln, weisen die Mediziner zurück: Vermutlich seien solche Personen einfach in der Lage, Informationen besonders effizient zu speichern, berichtet das "ZNS-Spektrum".

Außerdem habe das Gehirn bei der 20-minütigen Lektüre eines anspruchsvollen wissenschaftlichen Textes nur einen Bruchteil der Informationsflut einer 20-minütigen Fernsehsendung zu bewältigen. Dass in Entwicklungsländern Demenzen eher selten sind, sehen die Wissenschafter als Beleg ihrer Theorie an. Schließlich passe in das Bild der Gedächtnisüberfrachtung auch, dass sich die Informationslawine parallel zur Zunahme von Demenzen entwickelt habe. Umgekehrt haben einfache Tätigkeiten wie Gartenarbeit oder Stricken den Experten offenbar eine Schutzwirkung bei Demenzen.

Die häufigste Demenz-Form ist Alzheimer. Bei dieser unheilbaren Krankheit werden langsam und fortschreitend Nervenzellen des Gehirns zerstört. Dadurch werden Gedächtnisleistungen, logisches Denkvermögen und die Sprache immer mehr beeinträchtigt. (APA/AP)

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