Ingmar Bergman feilt an der filmischen Rückkehr

9. November 2001, 13:45
posten

... mit einer Art Fortsetzung seiner "Szenen einer Ehe" - inklusive Original-Besetzung

Stockholm - Gealtert, gerührt, aber auch amüsiert und mit ungebrochenem Selbstbewusstsein hat der 83-jährige Ingmar Bergman Pläne für seinen ersten eigenen Film nach 20 Jahren Pause vorgestellt. Auf die Frage, wovon sein zweistündiger Film "Anna" handeln soll, meint er: "Vom Leben, der Liebe und dem Tod." Acht Wochen lang soll im nächsten Herbst in einem Stockholmer Studio eine Fortsetzung von Bergmans "Szenen einer Ehe" mit Liv Ullmann (62) und Erland Josephson (78) in den Hauptrollen gedreht werden.

Beide hatten auch schon bei dem Welterfolg von 1973 das Paar Johan und Marianne gespielt, dessen Auseinandersetzungen um ihre zuletzt scheiternde Beziehung Paartherapeuten und Scheidungsanwälten zusätzliche Aufträge einbrachten. Während der Übersetzung des Ibsen-Dramas "Gespenster" seien Johan und Marianne wieder in ihm aufgetaucht, erzählte Bergman. Den Prozess bis zum Entschluss zur ersten Filmregie nach "Fanny und Alexander" beschrieb der auf der kleinen Ostseeinsel Farö lebende schwedische Regisseur mit der für ihn typischen Mischung aus Selbstironie und Selbstinszenierung: "Zu meiner Verwunderung wurde ich wie die biblische Sarah in hohem Alter schwanger. Erst war mir eine Weile schlecht, aber dann fanden sich langsam Lust und Vorfreude ein."

Vieleicht nur fürs Fernsehen

Bergman will die Kategorie "Fortsetzung" für sein Projekt nicht gelten lassen. In "Anna" sucht Marianne ihren Ex-Mann wieder auf, dessen zweite Frau Anna nach 20 für ihn glücklichen Ehejahren gestorben ist. Es beginnt ein Dialog zwischen den früheren Partnern in zehn Abschnitten. Ob der vom schwedischen Fernsehen SVT produzierte Film auch auf die Kinoleinwand kommt, soll angeblich noch offen sein. "Ich habe nicht für ein bestimmtes Medium geschrieben, sondern wahlfrei wie Bachs letztes Werk, das in zwei Notationen und ohne Angabe eines bestimmten Instruments geschrieben wurde", meinte der Regisseur ohne Scheu vor großen Vergleichen.

Die erneute Zusammenarbeit mit seinen früheren Hauptdarstellern Josephson und Ullmann sei für ihn "völlig natürlich", meinte Bergman. Der nach sechs Ehen seit 1995 verwitwete Regisseur ging auch auf seine frühere persönliche Verbindung mit Liv Ullmann ein: "Wir haben viel zusammen gemacht, unter anderem eine Tochter." Die Norwegerin selbst, die im letzten Jahr das Bergman-Manuskript "Die Treulosen" verfilmt hatte, meinte zu ihrer ersten Arbeit als Schauspielerin nach zehn Jahren, ein anderer als Berman hätte sie nicht dazu bewegen können.

Erland Josephson, schon 1948 bei Bergmans "Eva" auf der Besetzungsliste, berichtete von laufenden Gesprächen über eine mögliche Fortsetzung der "Szenen einer Ehe" über die letzten Jahrzehnte. "Wie man aus dem Manuskript klar ersehen kann, haben sie nicht die geringste Spur bei Ingmar hinterlassen", witzelte der Schauspieler. Er sei aber trotzdem ohne weiteres bereit, in 50 Jahren erneut den Johan für Bergman zu spielen. (APA/dpa)

Share if you care.