Eisschnelllauf: Karbon, Chips und "Doppel Klick"

14. November 2001, 10:32
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Kurz vor Beginn der Olympiasaison kündigt sich eine Materialrevolution an, die neue Bestmarken en Masse verspricht

Berlin - Es wird getüftelt und getuschelt: Drei Monate vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City ist die Geheimniskrämerei um das Material im Eisschnelllauf so groß wie nie. Alle Nationen haben experimentiert, wollen jedoch die Konkurrenz bis zum Höhepunkt Olympia möglichst im Dunkeln tappen lassen.

Karbonkufen, "Doppel-Klick" und chipgesteuerte Klappsysteme sind die Neuheiten, mit denen etwa die Deutschen beim Weltcup-Auftakt am Wochenende in Berlin aufkreuzen. "Ich bin nicht sicher, ob die bis jetzt bestehenden Weltrekorde überhaupt für eine Olympia-Medaille reichen werden. Ich erwarte im olympischen Winter auf allen Strecken neue Bestmarken", prognostizierte Markus Eicher, Coach von Mehrkampf-Weltmeisterin Anni Friesinger.

Leicht

Friesinger präsentierte sich mit dem neuen Karbon-Material bereits bei den deutschen Meisterschaften in Bestform. Obwohl die Mittelstrecken-Spezialistin noch niemandem ihren Schuh zeigen wollte, gilt als sicher, dass das neue Material am Klapp-Mechanismus zwischen Kufe und Schuh, eine Gewichtsreduzierung von bis zu 100 Gramm bringt - besonders für die längeren Distanzen ein gravierender Vorteil.

Intelligent

Sprint-Weltmeisterin Monique Garbrecht-Enfeldt testete bereits intensiv ein "intelligentes" Klappsystem. Dabei soll der Mechanismus chipgesteuert erst nach dem sechsten Schritt einsetzen und somit beim Start einen größeren Abdruck auf dem Eis ermöglichen.

Da zudem der japanische Ausrüster Mizuno einen noch windschlüpfrigeren Laufanzug für Salt Lake City in Aussicht stellte, scheinen die Deutschen bestens gerüstet. "Das Material hat an Einfluss gewonnen. Mit gutem Material kann man heute bis zu fünf Prozent mehr Leistung herausholen", ist sich Günter Schumacher, Sportdirektor es deutschen Verbandes.

Verdoppelt

Da wollen die Niederlande und die USA nicht zurück stehen: Die Holländer werden schon am Wochenende den "Doppel-Klick" präsentieren, einen Schuh, der nicht wie bisher nur an der Ferse, sondern auch unter dem Ballen "klappt". In Amerika wurden im Training Atemmasken und Sauerstoff-Rucksäcke eingesetzt, damit soll eine schnellere Erholung der Aktiven nach Belastungen erreicht werden.

Der Österreicher Marnix ten Kortenaar verlässt sich hingegen eher auf imaterielle Dimensionen: "Löffelbieger" Uri Geller wurde verpflichtet, um mit Hilfe neuer mentaler Techniken leistungsteigernd auf ten Kortenaar einzuwirken. (APA/dpa/red)

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