Tourismus vor Rekordwinter

10. November 2001, 11:54
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Einnahmen um fünf Prozent höher bei 120 Milliarden Schilling erwartet - Nachwuchssorgen

Wien - Was sich bereits im Oktober angekündigt hat, verfestigt sich nun: Die beginnende Wintersaison verspricht in Österreich sämtliche bisherigen Rekorde zu sprengen.

Nachdem erst kürzlich das Rekordergebnis des vergangenen Winters von 112 Mrd. auf knapp 115 Mrd. S nach oben korrigiert worden ist, rechnet der Chef der Österreich Werbung (ÖW), Arthur Oberascher, in der laufenden Wintersaison mit einem Sprung bei den Einnahmen um knapp fünf Prozent auf rund 120 Mrd. S (8,7 Mrd. Euro). Auch die 55,3 Millionen Nächtigungen aus dem Vorjahr dürften übertroffen werden.

Einziger Lichtblick

Gestützt wird der Erwartungstrend auch vom Wirtschaftsforschungsinstitut, das in seiner jüngsten Konjunkturprognose die Tourismusbranche als einzigen Lichtblick in einem sonst getrübten Umfeld sieht. Dazu trage nicht zuletzt die Zurückhaltung der Österreicher bei Fernreisen bei - eine Folge der Terroranschläge vom 11. September in New York und Washington.
Rückmeldungen aus Tourismusbetrieben von Vorarlberg bis zum Burgenland zeigten, dass die Buchungszahlen zum Teil deutlich über den Vergleichswerten des Vorjahres lägen, so Tourismusstaatssekretärin Mares Rossmann in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Oberascher.

Die Nachfrage nach Österreich-Urlauben sei derzeit vor allem in Deutschland, Kroatien, Ungarn, den Niederlanden und in Großbritannien sehr stark. Hinzu komme, dass sich heuer so viel Österreicher wie noch nie für einen Urlaub im eigenen Land entscheiden dürften, sagte der ÖW-Chef.

Das wird auch im Verkehrsbüro bestätigt. Erstmals seit vielen Jahren liege Österreich wieder an erster Stelle in der Beliebtheitsskala. Im September seien die Vorausbuchungen für Österreich-Urlaube um gut 50 Prozent höher gelegen als im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Langlaufen im Trend

Verkehrsbüro-Sprecherin Claudia Werner relativiert aber im STANDARD-Gespräch: "Weil viele Leute glauben, Österreich ist überlaufen, gehen jetzt auch Fernziele wieder besser." Mit einem Langlaufevent am Wiener Heldenplatz, für das die ÖW gemeinsam mit Partnern drei Mio. S springen lässt, will man heuer auch das weitgehend brachliegende Segment der so genannten "sanften Winterdisziplinen" forcieren. Dazu gehören auch Schneewandern und Eislaufen. Der ÖW-Chef sprach von einem "Trend zu dieser Art von Freizeitbeschäftigung, den wir nützen sollten".

Dennoch müsse auch das Alpinskifahren propagiert werden. "Sonst droht uns der Nachwuchs auszugehen", befürchtet Staatssekretärin Rossmann. War vor sechs Jahren noch jeder vierte Wintergast ein Kind, sind es jetzt nur mehr zwölf Prozent.

Rossmann kündigte einen Workshop an, der "Maßnahmen zum Gegensteuern" aushecken soll. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wüsste, wie: "Für Kinder bis zehn Jahre sollte im Hotel und beim Lift generell nichts bezahlt werden müssen, wenn die Eltern Ski fahren. Die Kids haben wir dann 50 Jahre als zahlende Gäste." (stro, DER STANDARD, Printausgabe 10.11.2001)

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