Konferenzbeginn zeigt große Unterschiede zwischen EU und USA

10. November 2001, 14:53
8 Postings

Indien massiv gegen neue Runde

Doha - Bei der Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Doha in Katar hat sich am zweiten Tag gezeigt, dass die Vorstellungen der beiden wichtigsten Handelsmächte USA und EU über den Fahrplan für eine neue Liberalisierungsrunde noch weit auseinander liegen. "Was die Amerikaner hier heute vorgetragen haben, ist sehr weit von unseren Vorstellungen entfernt", sagte ein Mitglied der EU-Delegation am Samstag.

Indien sprach sich am Samstag kategorisch gegen eine neue Welthandelsrunde aus. "Indien und viele andere Entwicklungsländer sind nicht bereit, eine neue Liste von schwer umzusetzenden Verpflichtungen einzugehen", sagte Handelsminister Murasoli Maran in Doha. EU-Handelskommissar Pascal Lamy forderte dagegen eine umfassende Verhandlungsrunde, die innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden solle.

Der Graben zwischen den Industrienationen und den Entwicklungsländern, der vor zwei Jahren der Hauptgrund für das Scheitern der Ministerkonferenz in Seattle (USA) gewesen war, ist generell "nach Einschätzungen von Beobachtern" jedoch kleiner geworden.

Axel Gerlach, Staatssekretär im deutschen Wirtschaftsministerium, erklärte vor den WTO-Ministern, der Startschuss für neue Verhandlungen könnte ein wichtiges Zeichen gegen den Terrorismus sein. "Die zivilisierte Welt kann und darf sich ihre Agenda nicht vom internationalen Terrorismus vorschreiben lassen", sagte der deutsche Delegationsleiter am Samstag in der Hauptstadt Doha. Gerlach vertritt bei der fünftägigen Konferenz Wirtschaftsminister Werner Müller, der wegen einer Verletzung am Arm abgesagt hatte.

Flexibilität, Selbstkritik, Tauschwaren

Kritisch beurteilte die deutsche Delegation die Eingangserklärung von US-Handelsminister Robert Zoellick. Diese habe kaum Flexibilität signalisiert, hieß es. Die EU habe sich dagegen offen gezeigt und bewiesen, dass sie auch zur Selbstkritik fähig sei.

Abseits vom Konferenzzentrum und den Reden der Minister machten sich die Handelsbeamten der 142 Mitgliedstaaten hinter verschlossenen Türen an die Arbeit. Die EU-Delegierten sind in Doha mit der größten "Wunschliste" für eine neue Verhandlungsrunde angetreten. Sie wollen am liebsten nicht nur über eine weitere Marktöffnung verhandeln, sondern auch über Umweltaspekte, Arbeitnehmerrechte, Wettbewerb und Investitionsregeln. Das geht den USA und der Mehrheit der Entwicklungsländer zu weit.

Viele WTO-Mitglieder glauben, dass die EU nur deshalb mit so vielen Zielen angetreten ist, damit sie hinterher etwas zum Tausch anbieten kann, um dann ihre von den Agrarexporteuren als unfair kritisierten Hilfsmaßnahmen für europäische Bauern zu verteidigen. (APA/dpa/Reuters)

Share if you care.