Wirkstoffe aus Pflanzenfabriken

9. November 2001, 16:05
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So zum Beispiel gegen Karies

Aachen - Wissenschafter nutzen immer häufiger Pflanzen als "Biofabrik". Dabei wird ein zusätzliches Gen - etwa das für den Antikörper gegen den Karieserreger - in das Erbgut einer Tabakpflanze integriert, wie Stefan Schillberg vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie Aachen berichtet. Der gentechnisch veränderte Organismus produziert dann beim Wachsen automatisch das entsprechende Protein; der neue Wirkstoff gegen Karies muss nur noch isoliert werden.

"Die in Pflanzen hergestellten Proteine haben eine hohe Qualität", sagt Schillberg. Zudem sei die Produktion hochwertiger Wirkstoffe in Pflanzen erheblich kostengünstiger als in Bakterien oder tierischen Zellkulturen. Bisher hätten die Fraunhofer-Forscher mehr als 150 verschiedene so genannte rekombinante Proteine in Tabak, Weizen oder Reis produziert, unter anderem das menschliche Bluteiweiß "Serumalbulmin", Antikörper gegen den Karieserreger oder Enzyme.

Tabak am besten zur Massenproduktion

"Am besten eignet sich Tabak zur Massenproduktion von Wirkstoffen. Die Pflanze ist leicht gentechnisch zu verändern und preiswert zu kultivieren. Tabak produziert pro Hektar und Jahr die meiste Biomasse", sagt der Biologe.

Nach seinen Angaben werden bereits über ein Viertel aller Medikamente mit Hilfe der Bio- und Gentechnologie hergestellt. Bisher stammten die Wirkstoffe, wie zum Beispiel Insulin, Interferon oder Impfstoffe gegen Gelbsucht vor allem aus Bakterien oder Zellkulturen von Tieren.

Allerdings hätten diese Herstellungsverfahren einige Nachteile: Die mikrobiell oder in Säugetierzellkulturen produzierten Proteine könnten Immunreaktionen auslösen, auch HIV oder Hepatitisviren übertragen. Dagegen erzeugten Pflanzen keine bakteriellen Giftstoffe, Viruspartikel oder Krankheitserreger, sagt Schillberg, der für seine Arbeiten den Fraunhofer-Sonderpreis erhielt. (APA/AP)

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