ExpertInnen zerbrechen sich den Kopf ... über die Reduktion von Treibhausgasen

9. November 2001, 11:59
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Marrakesch - Während die Umweltminister bei der im marokkanischen Marrakesch stattfindenden Klimakonferenz COP7 zäh um die genauen Regeln für die Erreichung der so genannten Kyoto-Ziele verhandeln, zerbrechen sich Experten den Kopf darüber, wie die Industriestaaten ihren Verpflichtungen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, nachkommen können. Beim wichtigsten Einzelfaktor, dem Straßenverkehr, sehen die Experten die größten Potenziale in technischen Verbesserungen der Motoren. Gleichzeitig werden auch teils radikal anmutende Vorschlägen zur Besteuerung des Straßenverkehrs auf den Tisch gelegt.

Grundsätzliches Ziel des Kyoto-Abkommens ist es, den Ausstoß von sechs klimaschädlichen Gasen, hauptsächlich Kohlendioxid, bis zum Zeitraum 2008 bis 2012 um weltweit 5,2 Prozent (gegenüber 1990) zu senken. Österreich will eine 13-prozentige Reduzierung der Emissionen beisteuern. Sowohl in Österreich als auch in den anderen Industriestaaten entfernt man sich derzeit aber eher von den Einsparungszielen, als dass man ihnen näher kommt.

Einsparpotenziale im Straßenverkehr analysiert

Als Entscheidungshilfe hat jetzt eine Studiengruppe im Auftrag der Internationalen Energieagentur (IEA) die Einsparpotenziale im Straßenverkehr analysiert und "Optionen und Strategien" für die Politiker vorgelegt - immerhin macht der Straßenverkehr je nach Land zwischen 15 und 30 Prozent der Kohlendioxidemissionen aus. Unter den möglichen Strategien befinden sich auch Steuer- und Mautvorschläge, die nach Meinung der Expertengruppe um den Verkehrswissenschafter Lewis Fulton "politisch stärker akzeptabel" sind als eine kilometerabhängige Maut auch für den Personenverkehr.

So schlagen die Fachleute "Mautringe" um die Stadtkerne vor, wie sie beispielsweise bereits in Norwegen eingeführt wurden. Bei diesem Modell muss ein Autofahrer, will er in die inneren Stadtbezirke fahren, eine Abgabe zahlen.

Eine andere fiskalpolitische Idee ist es, auf bestehenden Straßen Maut für jene Autos zu verlangen, die mit weniger als zwei oder drei Personen besetzt sind. Und schließlich könnte man das Parken mittels einer nationalen Steuer oder mit Gutschriften für Nichtfahrer/Nichtparker verteuern.

Technische Verbesserungen

Unter Einsparungpotenzialen mit einem wesentlich geringeren "politischen Preis" sehen die Experten die besten Chancen bei technischen Verbesserungen, die den Energieverbrauch der Autos um bis zu 40 Prozent senken könnten. Eine wichtige Rolle bei der Senkung des Treibstoffverbrauchs billigen die Wissenschafter Diesel-Direkteinspitzmotoren ("TDI") zu. Aber auch die Verbreitung anderer "konventioneller" Technologien könnte den durchschnittlichen Verbrauch um 25 bis 30 Prozent senken.

Einsparungen in etwa der gleichen Höhe erwarten sich die Experten in ihren Szenarios vom zunehmenden Einsatz von Hybridmotoren und dem künftigen Brennstoffzellenantrieb. Um diese technischen Veränderungen zu forcieren, werden wirtschaftliche Anreize/Sanktionen für Produzenten und Hersteller vorgeschlagen.

Auch mit alternativen Brennstoffen - wie Biodiesel und verbesserter Logistik - für den Warenverkehr lassen sich nach Meinung der Fachleute der Treibstoffverbrauch und die Emissionen verringern - allerdings in deutlich geringerem Ausmaß als bei den technischen Verbesserungen im Antriebssystem. (APA)

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