Die Stimmung ist nun auf dem Tiefpunkt

9. November 2001, 18:48
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Wifo-Konjunkturtest weist niedrigsten Index seit 1995 aus

Wien - Das Geschäftsklima hat sich entsprechend der ungünstigen Entwicklung der Konjunktur weiter eingetrübt. Der saisonbereinigte Saldo aus optimistischen und pessimistischen Meldungen in der Sachgütererzeugung ist erstmals seit der Konjunkturdelle 1995/96 negativ, seit dem Konjunkturhöhepunkt des zweiten Quartals 2000 ist er um 20 Prozentpunkte zurückgegangen. Dies geht aus dem Konjunkturtest des Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) hervor, der im Oktober durchgeführt wurde. Befragt wurden 1000 repräsentativ ausgewählte Unternehmen.

Besonders gedrückt ist die Stimmung in der technischen Verarbeitung, deren Unternehmen die gegenwärtige Geschäftslage zum weit überwiegenden Teil negativ beurteilen (-23 Prozentpunkte). Sie erzeugen vor allem Investitionsgüter für das In- und Ausland. Auch bei den Umsätzen im Großhandel und der Bauwirtschaft gab es dem Test zufolge markante Rückgänge. Günstiger entwickelt sich nur der Tourismus.

Export-Rückgang

Das Wachstum des Warenexports laut Statistik Austria betrug von Jänner bis Juli nominell noch sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr, von Mai bis Juli war aber bereits ein Rückgang um 0,8 Prozent zu verzeichnen.

Der arbeitstägig bereinigte Produktionsindex der Sachgütererzeugung überstieg das Vorjahresniveau von Jänner bis Juli kumuliert noch um zwei Prozent, von Mai bis Juli lag er um 0,8 Prozent darunter. Die Konjunkturdämpfung kommt auch im Großhandel zum Ausdruck, dessen Umsätze in den ersten sieben Monaten des Jahres real kumuliert um 1,9 Prozent unter dem Vorjahreswert lagen.

Einzelhandel schwach

Auch der Einzelhandel entwickelt sich schwach. Die Umsätze lagen bis August kumuliert und preisbereinigt auf dem Niveau des Vorjahres (+0,1 Prozent). Sie werden allerdings durch schwierig zu interpretierende markante Rückgänge im Nahrungsmitteleinzelhandel (kumuliert real -5,2 Prozent) gedrückt.

Zu der Produktionseinschränkung im Hochbau, der durch erhebliche Überkapazitäten geprägt ist, kommt seit März eine Verringerung der Tiefbauleistungen (Schienen-und Straßenbau). Der Produktionswert lag im Hoch- und Tiefbau bis Juli nominell um 0,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau, real dürfte das einem Rückgang um etwa zwei Prozent entsprechen. (red, DER STANDARD, Printausgabe 10.11.2001)

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