Zweierlinie und die Liebe zum Radweg

9. November 2001, 11:20
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Rad-Arroganz neben gestauten Autofahrern: Die lange umstrittene Verbindung ist ein Erfolg

Da standen wir also dieser Tage an der so genannten Zweierlinie in Wien, schauten links, schauten rechts - und konnten uns nur noch wundern: Das is' wirklich alles? So ein kleines Streiferl - und so ein Mörderwirbel? Monatelang? Ehrlich gesagt: Dieser Radweg ist doch im Grunde genommen nichts als der Lercherl-Flatus einer Infrastruktur. Und wegen dem musste seinerzeit die halbe Stadt lüften kommen? Wegen dieses Minimums einer Selbstverständlichkeit?

Denn selbstverständlich wurde diese neue Radverbindung von den Stramplern dieser Stadt umgehend angenommen. Das sieht man auch gleich, selbst an nebligst feuchten Herbsttagen.

Und das kann natürlich - vor allem auf einem doch ziemlich schmalen Radweg wie diesem hier - zu "Nutzungskonflikten" führen. "Stau am Radweg" warnte da kürzlich das "Kuratorium für Verkehrssicherheit" (KfV) in einer Aussendung. Vor allem sommers - und der nächste kommt bestimmt - "tummeln sich dort nämlich nicht nur Radler, sondern auch Trendsportler wie Inlineskater, Microscooter-Fahrer und Skateboarder sowie Jogger und Fußgänger oftmals mit Kindern bzw. Hunden", berichtet das KfV.

Dabei seien die Regeln für Radwege "einfach". Zum Beispiel: "Radfahrer und Skater dürfen auf Radwegen auch nebeneinander fahren, sofern es der restliche Verkehr, insbesondere Gegenverkehr, gestattet." Das muss uns auf dem Zweierlinien-Radweg-Streiferl erst einmal jemand vorhupfen.

"Niemand darf den anderen gefährden oder behindern, dies gilt insbesondere für Schnellere gegenüber Langsameren." Überholen ist hier sowieso unmöglich. Außer vielleicht bei Kreuzungen.

"Auch Inlineskater müssen auf Radwegen die für Radfahrer geltenden Verhaltensregeln beachten." So seien etwa Rechtsfahrordnung, Sicherheitsabstände oder "die Alkoholgrenze von 0,8 Promille einzuhalten". Wir behaupten jetzt einmal: Ein paar Inline-skater auf der Zweierlinie - und am Radweg hauen ein paar die Nerven weg.

"Arroganz der Radfahrer"

Denn wir wissen auch: Diese Radroute mag ihre Mängel haben - aber viele, die hier fahren, lieben sie bereits heiß. So berichtete etwa kürzlich eine Bekannte, von der bisher gar nicht bekannt war, dass sie zur Spezies der "Kampfradler" gehört, vollkommen enthusiasmiert: "Das ist mehr als nur Radweg, das ist Arroganz der Radfahrer! Da staut's auf der Straße immer und jetzt daran vorbeifahren, es so richtig zischen lassen - einfach geil."

Denn zum Glück gilt folgende KfV-Regel nur für Radwege selbst: "Die Geschwindigkeit ist nicht dem Fortbewegungsmittel, sondern der herrschenden Verkehrsdichte anzupassen." Also gibt es nun auch für die Zweierlinie folgende Faustregel: Je mehr Autofahrer auf der Straße stauen - umso besser kann man sie auf dem Radweg demütigen. (Roman Freihsl; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2001)

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