Außenhandel: Österreichische Unternehmen in Marokko

9. November 2001, 09:54
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Chancen für österreichische Anlagenbauer, Textil- und Pharmaindustrie

Marrakesch - Marokko, in dessen südlicher Millionenmetropole die Weltklimakonferenz gerade zäh um "Emissionsrechte" und "CO2-Senken verhandelt wird, ist ein steiniger Boden, dem die heimischen Exporteure jeden Auftrag mit harter Arbeit abringen müssen. Von den Franzosen bis hin zu den Chinesen sind alle da und für neun von zehn Geschäftspartnern zählt ausschließlich der Preis. Da kommt man sich als Verfechter österreichischer Qualitätsarbeit manchmal schon einsam vor", entfährt es dem für Westafrika zuständigen österreichischen Handelsdelegierten Heinz Paumgarten. Dennoch gelingt es Maschinenherstellern, Pharmafirmen und Textilproduzenten immer wieder, die eine oder andere marokkanische Bestellung in ihre Auftragsbücher einzutragen.

Österreichischer Anlagenbau setzt sich gegen schwedischen und asiatischen Mitbewerb durch

So liefert eine Tochter der VA Tech gerade Turbine und Generatoren für ein Speicherkraftwerk am Oum Er-Rbia, einem Fluss im mittleren Atlas. Die auf eine jährliche Leistung von 200 GWh ausgerichtete Anlage soll in zwei Jahren in Betrieb gehen - inmitten einer staubigen Landschaft, in der Niederschläge als Segen für die Landwirtschaft gefeiert werden. Der Hauptzweck der Dämme, die in den kommenden zehn Jahren entlang des Flusses errichtet werden, liegt denn auch in der Bewässerung - Strom ist nur ein Zusatznutzen und auch eine spätere touristische Nutzung der entstehenden Stauseen ist geplant. Der Direktor der Anlage ist voll des Lobs für die Professionalität der österreichischen Turbinenbauer - geschenkt wurde den Lieferanten bei der Auftragsvergabe freilich nichts. Durch eine Konzession in letzter Minute konnte der 150-Mill.-S-Auftrag gegen schwedische, russische und chinesische Konkurrenz an Land gezogen werden. Möglich war dies nur, weil die Turbine in einem VA Tech-Werk in Indien gefertigt wurde. "Sonst hätten wir uns schwer getan, noch anzubieten", meint VA-Tech-Manager Peter Holly rückblickend. Die auf Gasturbinen spezialisierte Jenbacher ist noch nicht so weit, beschnüffelt aber gerade interessiert den marokkanischen Markt. Mögliches Projekt: Die Errichtung einer Biogasanlage auf einer Deponie nahe Casablanca, möglicherweise finanziert durch die so genannten "Maßnahmen zur umweltverträglichen Entwicklung" (CDM). Darunter werden in der Fachsprache der Klimakonferenz Projekte mit Entwicklungsländern verstanden, die sich die Industriestaaten bei der Verringerung der Treibhausgase auf ihr Emissionskonto anrechnen lassen können.

Handelsbilanzdefizit im bilateralen Handel

Ein Projektgeschäft ist auch die Errichtung eines Sesselliftes im einige hundert Kilometer entfernten Skiort Oukaimeden. Lieferant ist das Vorarlberger Familienunternehmen Doppelmayr. Auch Pharmafirmen wie die Biochemie Kundl und österreichische Textilhersteller bewegen sich auf dem marokkanischen Markt. Ein Teil der exportierten Stoffe kehrt "veredelt", also als Bekleidung, wieder nach Österreich zurück. Die vergleichsweise hohen Einfuhren von Bekleidung sind auch die Hauptursache für das Handelsbilanzdefizit, das die Alpenrepublik im bilateralen Handel aufweist: 360 Mill. S Exporte standen im vergangenen Jahr rund 800 Mill. S Importvolumen gegenüber. Künftige Geschäftschancen ortet Wirtschaftskammer-"Botschafter" Paumgarten vor allem bei Anlagen und Maschinen etwa für die Textil-, Chemie-, Papier- und Elektroindustrie, aber auch im Tourismussektor. Bei interessierten Anbietern von Konsumgütern tendiert er eher dazu, abzuraten. Anbieter von Mineralwasser hätten beispielsweise ein schweres Leben, meint er - wie heiß und trocken das Klima Marokko auch immer sein mag. (APA)

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