Taliban: 24 Tote bei US-Angriffen nahe Kabul und Kandahar

9. November 2001, 11:31
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Erbittertes Ringen der Nordallianz um strategische Stadt Masar-i-Sharif

Islamabad/Duschanbe - Die USA haben ihre Bombardements in Afghanistan nach Angaben der Taliban auch am Freitag fortgesetzt. Dabei seien 20 Zivilisten und vier Taliban-Kämpfer getötet worden, sagte ein Sprecher der Taliban in Kabul. Eine der Bomben habe ein Dorf nördlich von Kabul getroffen und 16 Menschen getötet. Am schwersten seien die Angriffe in der südlichen Provinz Kandahar gewesen. Der Sprecher dementierte erneut Angaben der Nordallianz, sie habe mit Hilfe der US-Angriffe Geländegewinne nahe der Stadt Masar-i-Sharif gemacht.

Im Grenzgebiet im Norden Pakistans sollen inzwischen 7.000 Männer nach Afghanistan übergewechselt sein, um sich den Taliban anzuschließen. Allein am Donnerstag seien 1.500 Mann von Bajaur aus in die angrenzende Provinz Kunar abgereist, berichteten Taliban- Anhänger. Die Freiwilligen stammen aus Volksgruppen, die mit denen auf der afghanischen Seite der Grenze verwandt sind.

USA wollen Nachschubwege abschneiden

Im Kampf um die nordafghanische Stadt Masar-i-Sharif haben die USA am Freitag erneut Taliban-Truppen bombardiert. Nach dem Vorrücken der Nordallianz auf die strategisch wichtige Stadt sollten die US-Angriffe verhindern, dass die Nachschubwege ihrer Verbündeten durch die Taliban abgeschnitten werden, wurde im Hauptquartier der Nordallianz nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax erklärt.

Die Taliban sprachen ihrerseits von einer Verstärkung ihrer Truppen in Masar-i-Sharif. Die radikal-islamische Miliz werde "in Kürze ihre Gegenoffensive beginnen", sagte der Chef der Taliban-Nachrichtenagentur Bachtar, Abdul Henan Hemat. Nähere Angaben zur Truppenstärke machte er nicht. Einen Angriff der Oppositionstruppen 70 Kilometer südlich der Stadt hätten die Taliban-Kämpfer bereits zurückgeschlagen und "Dutzende feindlicher Leichen auf dem Schlachtfeld hinterlassen", sagte Hemat. Ein Sprecher der so genannten Nordallianz bestätigte vereinzelte Kämpfe. Dabei hätten US-Kampfflugzeuge die Oppositionstruppen unterstützt, sagte Kari Kudratullah.

Wichtiger Knotenpunkt

Der Usbeken-General Abdul Rashid Dostam hatte am Vorabend versichert, dass seine Kämpfer nur noch sieben Kilometer von Masar-i-Sharif entfernt Stellungen bezogen hätten. Zahlreiche Taliban-Kommandanten seien inzwischen zur Nordallianz übergelaufen, 300 Taliban-Kämpfer seien gefangen genommen worden. Eine weitere Gruppe der Nordallianz hatte zuvor gemeldet, bis auf 22 Kilometer auf die Stadt vorgerückt zu sein. Von unabhängiger Seite lassen sich die Berichte nicht überprüfen. Die Stadt ist seit drei Jahren in den Händen der Taliban und ein wichtiger Knotenpunkt für militärischen Nachschub aus Usbekistan und Tadschikistan.

Die US-Luftwaffe setzte am Freitag auch ihre Angriffe auf Taliban-Stellungen nördlich der Hauptstadt Kabul fort. In der Schomali-Ebene, 50 Kilometer nördlich von Kabul, seien schwere Explosionen zu hören gewesen, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Die USA verstärken seit Beginn der Woche ihre Angriffe auf die Taliban-Front im Nordosten des Landes, wo die Miliz alle drei Zugangswege zur Hauptstadt kontrolliert. Im Gegensatz zu Masar-i-Sharif wurde an diesem Frontabschnitt jedoch noch nicht mit einer Offensive der Oppositionstruppen gerechnet. (APA/dpa)

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