Japan gesteht Einbruch ein

9. November 2001, 18:53
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Wirtschaft schrumpft - Exportrückgang um fast zehn Prozent

Tokio - Japans Wirtschaft schrumpft nach offizieller Einschätzung im laufenden Fiskaljahr so stark wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die wirtschaftliche Leistung dürfte bis Ende März um real 0,9 Prozent sinken, räumte die Regierung am Freitag ein und gab damit ihre bisherige Prognose von 1,7 Prozent Wachstum auf.

Japan kann nach Einschätzung von Experten jetzt noch nicht einmal mehr auf seinen Exportmotor zählen: Die Regierung erwartet einen Ausfuhrrückgang um 9,6 Prozent, der stärkste Einbruch seit 20 Jahren. Dadurch wird die Industrieproduktion um 9,5 Prozent gedrosselt, der erste Rückgang seit drei Jahren und zugleich der schärfste seit 1974.

Nachtragsetat

Das Kabinett verabschiedete am Freitag einen Nachtragsetat von drei Billionen Yen (27,5 Mrd. Euro/379 Mrd. S) zur Schaffung von einer Million neuer Arbeitsplätze und Hilfe für kleinere Firmen. Wirtschaftsminister Heizo Takenaka sprach sich gegen Forderungen nach einem weiteren Nachtragshaushalt zur Wirtschaftsankurbelung aus. Japan sollte sich auf Strukturreformen konzentrieren, sagte Takenaka. Wie er will auch Regierungschef Junichiro Koizumi die ausufernde Staatsverschuldung eindämmen, die schon jetzt bei rund 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt.

"Das größte Risiko für Japan ist jetzt der Rückgang der Exporte, was die Hersteller zu Produktionskürzungen veranlasst", sagte Akio Yoshino von SG Yamaichi Asset Management.

Die steigende Arbeitslosigkeit, die bereits auf dem Nachkriegsrekordstand von 5,3 Prozent liegt, belastet zudem die Konsumausgaben, die zu rund 55 Prozent zu Japans wirtschaftlicher Leistung beitragen. Die Ausgaben dürften nach amtlicher Schätzung heuer um nur 0,5 Prozent steigen. Den letzten Rückgang seiner wirtschaftlichen Leistung in einem Fiskaljahr hatte die zweitgrößte Wirtschaftsnation 1998/1999 erlebt (minus 0,6 Prozent). Experten zufolge könnte der jetzt amtlich prognostizierte Rückgang von 0,9 Prozent sogar noch zu optimistisch sein. (dpa, DER STANDARD, Printausgabe )

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