In tschechischer Chemiefabrik gammeln seit 1968 Giftstoffe vor sich hin

8. November 2001, 21:40
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Prag - In einer mittelböhmischen Chemiefabrik lagern nach Angaben der tschechischen Nachrichtenagentur CTK giftige Stoffe, die zur Herstellung des US-Entlaubungsmittels Agent Orange gedient hätten. Zwei Lagerhäuser des Unternehmens Spolana Neratovice seien 1968 nach der Erkrankung von 80 Arbeitern verschlossen und seitdem nicht mehr geöffnet worden, meldete CTK am Donnerstag. Mitarbeiter der Firma und der Umweltschutzorganisation Greenpeace bestätigten die Angaben. Wegen des Zerfalls der Lager drohe der Austritt der Giftstoffe, hieß es.

Agent Orange war von den USA unter anderem im Vietnam-Krieg eingesetzt worden. Die tschechische Privatisierungsbehörde (FNM) forderte am Donnerstag die USA auf, bis zum Jahresende an der Entsorgung der Stoffe mitzuarbeiten. "Es ist kein finanzielles, sondern ein logistisches Problem", sagte Spolana-Mitarbeiter Martin Dobes. Schlimmstenfalls könnten die Giftstoffe in die Elbe dringen, warnte Greenpeace-Sprecher Miroslav Suta am Donnerstag in Prag.

Nach CTK-Angaben hatte die Chemiefabrik bereits 1998 ein kleineres Lager mit Giftstoffen mit Beton ummantelt. Die beiden nun betroffenen Gebäude seien dazu aber vermutlich zu hoch, hieß es. (APA/dpa)

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