Voila: Der Vogel des Jahres 2002

8. November 2001, 21:36
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... ist der Spatz, der vermeintliche Allerweltsvogel

Wien - Der Haussperling (vulgo Spatz) wurde von der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich und dem deutschen Naturschutzbund zum "Vogel des Jahres 2002" gewählt. In den vergangenen Jahren meldeten Ornithologen und Vogelschützer in mehreren Gebieten über erhebliche Bestandsrückgänge des scheinbaren Allerweltsvogels, heißt es in einer BirdLife-Aussendung am Donnerstag.

Der Spatz gehört zur Familie der Sperlinge, von der drei Arten bei uns leben: der Haussperling und der Feldsperling in unseren Siedlungen und in der Kulturlandschaft sowie der Schneesperling (auch Schneefink genannt) im Hochgebirge. Ihre nächsten Verwandten sind die afrikanischen und asiatischen Webervögel. Den Hang zur Geselligkeit haben sie von ihnen übernommen: Sperlinge brüten gerne in enger Nachbarschaft, in Südeuropa bauen sie oft große Gemeinschaftsnester.

Kulturfolger

Der Haussperling ist ein so genannter Kulturfolger. Durch den Ackerbau hat der Mensch diesem ehemaligen Steppenvogel den Weg nach Europa geebnet - und darüber hinaus: Spatzen sind erfolgreiche Kolonisten und haben weite Teile Afrikas, Nord- und Südamerikas sowie Australiens im Gefolge des Menschen besiedelt. Oft genug haben sie als blinde Passagiere an Bord von Schiffen neue Ufer erreicht und sich dann von den Häfen aus ins Landesinnere ausgebreitet.

Bei uns brüten die Haussperlinge meist an Gebäuden: unter Dachvorsprüngen, in Mauerspalten und Nischen. Sie ernähren sich überwiegend von Pflanzenteilen. Besonders im Sommer fliegen sie truppweise auf die Stoppelfelder, um aufzulesen, was bei der Ernte übrig geblieben ist. Ihre Jungen füttern sie jedoch zum großen Teil mit Insekten. Zum Wohlfühlen brauchen Spatzen offene Bodenstellen, an denen sie ihre Staubbäder nehmen - um Gefiederparasiten loszuwerden.

Doch die moderne Kultur ist tough

Doch der Allerweltsvogel hat zunehmend Probleme: Gebäuderenovierungen bzw. die glatte Bauweise moderner Fassaden verringern die Brutmöglichkeiten, Bodenversiegelungen und so genannte Ortsbildverschönerungen betonieren die Staubbäder zu. Zudem verlieren die modernen Erntemaschinen immer weniger Dreschabfälle. Pestizide und exotische Gehölze in unseren Gärten und Parks reduzieren das Insektenangebot.

Es liegen laut BirdLife noch relativ wenige Daten zur Bestandsentwicklung des Haussperlings vor, doch diese deuten in mehreren Gebieten auf zum Teil erhebliche Bestandsrückgänge an. "Die Bestandsentwicklung des Spatzen ist eine Messlatte dafür, in wie weit auch anpassungsfähige Kulturfolger in unserer unmittelbaren Umgebung noch überleben können" sagte Andreas Ranner, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. Die Siedlungsgebiete würden immer naturferner und auch ehemals häufige Arten haben es immer schwerer in der Gesellschaft des Menschen.

Von der aktuell laufenden Wiener Brutvogelkartierung erhofft man sich bei BirdLife aufschlussreiche Ergebnisse zur Situation des Haussperlings. Helfen kann aber jeder: mehr einheimische Gehölze in unseren Gärten, Fassadenbegrünungen, und einfach "Mut zur Unordnung" ... (APA)

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