Neue CDs aus Soul, Rhythm'n'Blues und Jazz

11. November 2001, 22:44
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Maxwell, Boz Scaggs, Érik Truffaz

MAXWELL Now (Sony)
Der New Yorker Soul-Erneuerer Maxwell untermauert auch auf seinem dritten Studio-Album diesen Ehrentitel und schreitet mit sicherer Traditionspflege in die Zukunft. Dazu steht im eine Band zur Seite, die ihren Curtis Mayfield genauso verinnerlicht hat wie Barry White. Denn Maxwells bevorzugtes Thema ist - Überraschung! - die Liebe, wozu sich zeitgenössischer Bedroom-Soul natürlich bestens als Betätigungsfeld eignet. Dass dort Demut vor dem Wunder Frau herrscht, untermauert seine Version von Kate Bushs This Woman's Work. Kein Wunder also, dass bei Maxwell-Konzerten reihenweise ohnmächtige Ladies im Publikum zur Routine zählen.

BOZ SCAGGS Dig(Virgin)
Boz Scaggs gilt wegen seiner historischen Nähe zu einer Unerträglichkeit namens Toto natürlich als Feind. Der Texaner, der in den 70er-Jahren in eher exotischen Popländern wie Schweden erfolgreich war, widmet sich jedoch seit einigen Jahren Rhythm'n'Blues - dem tatsächlichen und nur bedingt dessen zeitgenössischer Erscheinungsform. Unter diesem Aspekt betrachtet, bietet Dig zumindest 50 Prozent ausgezeichnetes Material, zu dem Scaggs reife Stimme kongeniale Stimmung verbreitet. Im Balladenfach wie im Uptempo-Bereich.

ÉRIC TRUFAZ Revisité (EMI)
Der schöne Fluch, dem einst Miles Davis verfiel, nämlich links und rechts vom Jazz zu schauen und so die aktuellen Popdinge zu bemerken und in seine Welt einzubauen, er überkommt nach wie vor so machen Trompeter. Da war und ist Herr Molvaer, da ist nach wie vor auch Érik Truffaz. Wir sind hier mit ihm in irgendeinem Club, benebelt ist die Atmosphäre von Drum 'N' Bass-Wolken, sanft rezitiert eine Stimme, und Truffaz, als gelehriger Schüler von Miles, ergibt sich der verträumten Traurigkeit. Lange Noten, die durchatmen dürfen. Eine Welt, die sich aus aktuellen Sounds des Pop zusammensetzt. Es lässt sich das Wort Jazz ohne Scham in den Mund nehmen, denn es geht hier doch auch noch um Improvisation.

Von Swing darf man sich jedoch verabschieden; der aktuelle Jazz ist einfach das Festhalten am Element der spontanen instrumentalen Gedankenbildung, aber auf frei zu wählender Rhythmus- und Klanggrundlage. Das erfreut. Es zeigt, dass die Vorherrschaft des retrospektiven Jazz im Windschatten von Wynton Marsalis nicht dazu geführt hat, dass sich alle Jazzer von ihrer Zeit abwenden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 11. 2001)

 Von
 Ljubisa
 Tosic


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