Land der Keime

8. November 2001, 20:45
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Österreich-Studie mit wenig erfreulichem Ergebnis: Staphylokokken und andere Bakterien zunehmend gegen die stärksten Antibiotika resistent

Linz - Die Infektionserreger werden immer mehr gegen Antibiotika resistent. Dieser Trend - eine Gefahr vor allem für schwerkranke Spitalspatienten - wurde nun durch eine neue österreichweite Studie bestätigt. Der Leiter des Institutes für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, Universitätsprofessor Helmut Mittermayer, wird sie am Freitag bei einem international besetzten Ärzte-Symposium in Linz vorstellen.

"Gram-positive" Bakterien

Bei der an 15 Zentren in Österreich durchgeführten Studie und dem Symposium geht es um so genannte "gram-positive Bakterien", beispielsweise Staphylokokken. Sie befinden sich auf der Haut jedes Menschen und stellen bei Gesunden so gut wie kein Problem dar. Bei Schwerkranken ist allerdings eine geringere Abwehrkraft gegeben. Dazu kommt noch, dass durch Behandlungen eine "Schiene" zum Eindringen der Bakterien in den Körper gelegt wird - etwa durch Organ- oder Knochenmarkstransplantationen sowie durch Venen-Katheter.

Resistenzen

Für die Studie wurde die Antibiotika-Resistenz der Infektionserreger erhoben. Dabei wurden bei einem Viertel der untersuchten Staphylococcus aureus-Stämmen Resistenzen gegen die am häufigsten angewendeten Antibiotika festgestellt, bei anderen Bakterien-Stämmen waren sie noch weit höher. Erstmals wurden sogar Infektionserreger gefunden, gegen die auch ein Antibiotikum nicht mehr wirksam war, das bisher als die wichtigste Waffe dagegen galt. Auf die Frage, ob eine Ursache für diesen Trend sei, dass diese Medikamente zu leichtfertig verschrieben würden, antwortete Mittermayer mit der Vermutung, "dass bei Therapien außerhalb der Krankenhäuser manche Antibiotika überrepräsentiert sind".

Spirale dreht sich weiter

Die Lage sei allerdings nicht hoffnungslos: Es gebe eine neue Entwicklung auf dem Sektor der Antibiotika, die gegen resistente Bakterien erfolgreich sei. Allerdings werde es vorsichtig eingesetzt, um nicht wieder neue Resistenzen zu bewirken. Bei dem Symposium würden auch die Erfahrungen darüber ausgetauscht, kündigte Mittermayer an. Wichtig sei auch, dass in den jeweiligen Krankenhäusern die "Infektionslage" genau erforscht und beobachtet werde, um entsprechend reagieren zu können. (APA)

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