Mutmaßlicher Serienmörder von Bremerhaven gestand vor Gericht

8. November 2001, 19:27
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Krankenpfleger wegen Mordes an fünf alten Frauen angeklagt

Bremen - Ein 32 Jahre alter Krankenpfleger hat vor Gericht fünf Morde an alten Frauen aus Bremerhaven gestanden. Er habe die Opfer berauben wollen, sagte er am Donnerstag vor dem Bremer Landgericht zum Prozessauftakt. Laut Staatsanwaltschaft erbeutete er 4.900 Mark (2.505 Euro/34.474 S). In einem sechsten Fall überlebte das Opfer knapp. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fünffachen Mord und Mordversuch vor.

Motiv - Hohe Schulden

Die Verbrechen an den 83- bis 89-jährigen Frauen, die der Mann früher als Pfleger betreut hatte, ereigneten sich im Juni dieses Jahres. Der Angeklagte erklärte vor Gericht, er habe hohe Schulden gehabt und Geld gebraucht. Unmittelbar vor den Morden war er von seinem Arbeitgeber, dem Arbeiter-Samariter-Bund, wegen Unterschlagung entlassen worden. Die Opfer kannte er aus seiner Pflege-Tätigkeit.

Die Beute hat der 32-Jährige nach eigenen Angaben weitgehend seiner Freundin, einer Prostituierten, gegeben. "Ich wollte nie jemanden absichtlich töten. Letztendlich ist es dann passiert", sagte der Angeklagte. "Das nimmt Ihnen keiner ab" hielt ihm der Vorsitzende Richter Harald Schmacke entgegen.

Opfer haben ihm vertraut

In seinem Geständnis hatte der Angeklagte zuvor gesagt, dass ihn die Frauen arglos in die Wohnung gelassen hätten. Mit dem ersten Opfer habe er sich zunächst unterhalten und der Frau vorgegaukelt, ihr Hausnotrufgerät sei defekt. Später habe er sie mit einem Handtuch erstickt. Das zweite Opfer habe ihm Geld geliehen. Dann jedoch habe die 83-Jährige einen Abschiedskuss gefordert, den er verweigert habe. Als sie schreien wollte, habe er sie mit einem Polster erstickt.

Letztes Opfer hat überlebt

Sein letztes Opfer, eine 82-Jährige, habe er ebenfalls berauben wollen. Die 82-Jährige überlebte und setzte die Polizei auf die Fährte des Täters. Der Mann hatte nach der Festnahme die Taten gestanden. Wie Staatsanwalt Fritz Haar erläuterte, will die Anklage auf lebenslange Freiheitsstrafe plädieren und die besondere Schwere der Schuld feststellen lassen.

Für den Prozess sind zunächst sieben Verhandlungstage angesetzt, 19 Zeugen sollen gehört werden. Nach Angaben des Landgerichts ist nicht vor dem 22. November mit einem Urteil zu rechnen. (APA/AP)

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