Pensionen: Signal für Jüngere - von Conrad Seidl

8. November 2001, 18:56
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Wer ein besonders hohes Alter erreicht hat, soll seinen wohlverdienten Ruhestand genießen - und den Rest seines Lebens am Wohlstandszuwachs der Gesellschaft teilhaben können. Dass das auch in schlechten Zeiten funktioniert, hat unser Pensionssystem gleich bei seiner Einführung beweisen müssen. Damals hat Österreichs Wirtschaft noch unter den Folgen des Krieges gelitten, die Masse der Bevölkerung hatte weder Ersparnisse noch sonstiges Vermögen.

Allerdings hat sich die Pensionsbelastungsquote - die Zahl der Pensionisten, für die jeweils 100 Beschäftigte aufkommen müssen - seit 1956 von 34,5 auf 61,9 erhöht. Wachsender Wohlstand der Gesellschaft muss an mehr Pensionisten umverteilt werden, denn die Österreicher gehen immer noch früh in Pension und haben eine hohe Lebenserwartung.

Die Regierung versucht (wie teilweise schon ihre Vorgänger), verschiedene Kostenbremsen einzuführen. Sie schraubt das Pensionsalter langsam hoch und dreht auch an der Schraube der Pensionsanpassung. Diese war die lange unumstrittene Garantie, dass sich Pensionisten von ihrem Pensionsbezug Jahr für Jahr gleich viel, wenn nicht gar mehr leisten können.

Die Änderung erscheint ihr vertretbar, weil heute viele der rund zwei Millionen Pensionisten über beträchtliches eigenes Vermögen verfügen, von dem sie zehren können: Diese Pensionisten trifft eine gedämpfte Pensionsanpassung kaum. Anders ist das bei jenen Eigenpensionen, die unter dem Schnitt von 11.000 Schilling liegen. Hier muss kräftiger umverteilt werden.

Dass bei höheren Pensionen weniger umverteilt wird, ist ein Signal, das die Senioren trifft, aber von den Jüngeren verstanden werden sollte: Sie sollen sich jetzt um eine private Alterssicherung kümmern, damit sie spätere Pensionslücken vermeiden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2001)


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