Lichtempfindliche Klangschwebungen

8. November 2001, 19:32
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Wien-Modern-Klänge im Konzerthaus

Wien - Im Finstern kommt der Klang am besten zu sich und damit zum Hörer. Und im Dunklen hätte Georg Friedrich Haas' in vain bleiben sollen. Denn das suggestiv-schwebende Stück mit den sich ineinander verkeilenden Linien, Ruhepunkten und atmosphärischen Mutationen trägt sich selbst. Beiläufig-schüchterne Lichtinszenierungen (Katja Krusche) erträgt es eher nicht.

Was es gebraucht hätte, wäre indes ein kleinerer Raum gewesen. Denn trotz der akkuraten Arbeit des Klangforum Wien unter Emilio Pomárico verschwanden Sinnlichkeit und Subtilität. Was sonst noch dieser Tage bei Wien Modern erklang? Johannes Maria Stauds ... gleichsam als ob ..., das keuchend-spuckende Klangmonster zu durchscheinenden Vibrationen und wieder zurück mutieren ließ. Beim Tristan von Hans Werner Henzes agierte das RSO-Wien dann eher vorsichtig. Dennis Russell Davies hatte sich vorrangig der energiegeladenen Taktschlägerei zu widmen. Kaum Intensität. Schade, denn das Stück ist ein dichtes Meisterwerk; grandios, wie Henze hier das Tristan-Material durch den Fleischwolf der Moderne dreht. Peter Donohoe präsentierte den Klavierpart mit souveräner Sinnlichkeit, mitunter gefährlich lässig. Zu Gast war auch Franz Welser-Möst mit dem Ensemble opera nova.

Er setzt auf Disziplinierung und Kontrolle, aber es ist ihm durchaus auch ein gerüttelt Maß an Sensibilität und Dynamik zu eigen, sodass er bei Georges Aperghis' Babil zu einem zuweilen luziden, vitalisierenden Tonperlenspiel animierte. Nach Christoph Neidhöfers vitalem Zeitbogen dann Olga Neuwirths locus doublure solus für Klavier und Ensemble, ein eher gleichförmiges Opus, welchem auch der sportive Zugriff Thomas Larchers nicht wirklich zum Vorteil gereichte.
(tos, end/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 11. 2001)

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