"Klares Konzept gegen den Isolationismus"

8. November 2001, 19:13
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EU- Landwirtschaftskommissar Franz Fischler im STANDARD- Interview

Wien - EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler hofft, dass bei der WTO-Konferenz in Doha, Katar, trotz aller Kontroversen der Rahmen für eine neue Liberalisierungsrunde abgesteckt wird.

STANDARD: Nach Seattle wurde eine Reform der WTO versprochen. Was wurde umgesetzt?
Fischler: Heute hat die WTO wesentlich mehr Transparenz, es gibt wesentlich engere Kontakte zu den Nichtregierungsorganisationen und ein ernsthaftes Bemühen, den Sorgen der unterentwickelten Welt entgegenzukommen - etwa über Zollvergünstigungen im Agrarhandel.

STANDARD: Die USA verkaufen die WTO-Konferenz als Chance auf Wachstumsimpulse für die darniederliegende Weltwirtschaft. Ist das gerechtfertigt?
Fischler: Ich würde da nicht allzu viele Verbindungen herstellen. Die WTO-Verhandlungen könnten auf drei Jahre anberaumt werden, da hat sich die Weltwirtschaft schon längst wieder erholt.

STANDARD: Hat die Kooperation nach den Terroranschlägen etwas am konfliktreichen Wirtschaftsverhältnis zwischen den USA und der EU geändert?
Fischler: Wir von der EU und die USA sind darauf angelegt, dass Doha ein Erfolg wird. Die Ernsthaftigkeit dieser Sicht hat seit dem 11. September sicher zugenommen. Die WTO basiert auf Öffnung, Liberalismus und Marktwirtschaft. Das ist ein klares Konzept gegen den Isolationismus.

STANDARD: Ihr Agrarkapitel gehört zu den schwierigsten. Was kann in Doha herauskommen?
Fischler: Einziges Ziel ist der Start einer neuen Liberalisierungsrunde, also Themen, Ziele und Zeitrahmen der Gespräche festzulegen. Gelingt das nicht, ist Doha gescheitert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2001)


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