EZB entscheidet nur noch einmal pro Monat über Zinsen

8. November 2001, 18:29
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Falls nötig, Zinsentscheidung auch außerhalb der turnusmäßigen Sitzungen

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) will künftig nur noch bei jedem ersten Ratstreffen im Monat über die Leitzinsen in der Euro-Zone entscheiden. Damit will die Zentralbank Spekulationen über ihr Vorgehen eindämmen und die Finanzmärkte beruhigen. Da der EZB-Rat aber weiterhin alle 14 Tage zusammen komme, gebe dies den Notenbankern Zeit, auf der zweiten Sitzung des Monats andere Themen wie Bankenaufsicht und Probleme des Zahlungsverkehrs zu besprechen, sagte EZB-Präsident Duisenberg am Donnerstag bei der Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Leitzinssenkung von 50 Basispunkten.

Falls nötig, könne die EZB aber auch außerhalb der turnusmäßigen Sitzungen eine Zinsänderung beschließen, fügte Duisenberg hinzu. Damit gleicht die EZB ihre Zinsentscheidungen dem Rhythmus anderer Zentralbanken an und vereinfacht nach Einschätzung von Analysten die Zinsprognosen.

Marktberuhigung

"Der (EZB-) Rat hat entschieden, von jetzt an in der Regel die geldpolitische Haltung der EZB nur noch bei ihrem ersten Treffen jedes Monats zu überprüfen", sagte Duisenberg. Der Rat habe den Eindruck, dass die zweiwöchigen Sitzungen des Rates zu viele Spekulationen auslösen und die Volatiliät der Wechselkurse und die Marktzinsen erhöhen. Ein ruhigerer Sitzungsrhythmus solle die Märkte beruhigen.

Analysten begrüßten den neuen Sitzungsrhythmus. "Dies bringt die EZB näher an andere Zentralbanken, die meist alle vier bis sechs Wochen entscheiden. Es macht die Sache für die Märkte etwas einfacher", sagte Klaus Baader von Lehman Brothers. Die Bank von England berät über ihre Leitzinsniveau alle vier Wochen, die US-Notenbank Fed alle sechs Wochen. Auch Ulla Kochwasser von der Industrial Bank of Japan sagte, der Vier-Wochen-Takt vereinfache die Prognose.

Sie vermutete, dass die Entscheidung auch mit Blick auf den Bieterstreik am Geldmarkt getroffen worden war. Dort hatte die Spekulation auf eine EZB-Zinssenkung mehrmals zu stark schwankenden Zinssätzen geführt, weil sich Banken wenige Tage vor einer erwarteten Zinssenkung von der EZB für ihre Refinanzierung kein Geld leihen wollten. (APA/Reuters)

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