"Ein markerschütternder Skandal"

8. November 2001, 17:21
9 Postings

Kritik an der Bestellung Karl Welunscheks zum Rabenhof-Leiter

Wien - Hans Gratzer wusste bereits bei seiner Designierung zum Direktor des Theaters in der Josefstadt vor einer Woche, dass Karl Welunschek der Leiter des Rabenhofs werden wird. Auch der Betroffene selbst soll es schon länger gewusst haben. Jetzt konnte sich Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) dazu durchringen, die Entscheidung auch öffentlich zu machen: Er präsentiert am Freitag das langjährige SP-Mitglied, das den Rabenhof dieses Jahr interimistisch (mit hohem Finanzbedarf) führte, und dessen kaufmännischen Direktor Gernot Lechner im Café Eiles.

Robert Quitta, Nikolaus Büchel und Hakon Hirzenberger hingegen durften dumm sterben: Mailath verzichtete darauf, den Mitbewerbern abzusagen. Die drei Theatermacher, die ihrer Meinung nach nur als Staffage für das "demokratische Ausschreibungsverfahren" dienen durften, geben daher eine Pressekonferenz - direkt im Anschluss an jene des Kulturstadtrats.

Während Quitta, der leise von einem "abgekarteten Spiel" spricht, am Donnerstag mehr oder weniger die Luft wegblieb, machte sich Büchel bereits ordentlich Luft: Er stellte sich die Frage, ob die Ausschreibung des Vorstadttheaters, die Mailath verlangte, obwohl die SP die Leitung der Mittelbühne bereits Welunschek versprochen hatte, nicht "ein Fake" gewesen sei. Die Mitbewerber seien "schon wochenlang hingehalten worden", die Installierung von Welunschek sei "ein markerschütternder Skandal".

In der Theaterszene wird die jüngst erfolgte Entschuldung des Rabenhofs massiv kritisiert. 2001 soll Welunschek mit einer Subvention von sieben Millionen Schilling bedacht werden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 11. 2001)

 Von
 Thomas Trenkler
 


Share if you care.