"Irak bildet Terroristen aus"

8. November 2001, 16:46
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Drohung aus Washington

Bagdad/Wien - Die jüngste Äußerung von US- Außenminister Colin Powell über den Irak wird als Wende zugunsten der Falken gewertet: Wenn die USA mit Osama Bin Laden und al-Qa'ida und den Taliban fertig sind, "werden wir unsere Aufmerksamkeit dem Terrorismus überall auf der Welt zuwenden, und Länder wie der Irak, die versucht haben, Massenvernichtungswaffen zu bekommen, sollten nicht meinen, dass wir sie übersehen werden". Powell hatte bisher immer abgewinkt, wenn die Sprache auf den Irak kam, anders als die Fraktion in der US-Regierung, die schon kurz nach dem 11. September gemeint hatte, man müsste gegen Saddam Hussein vorgehen, ganz gleich, ob es Beweise für seine Verwicklung in den antiamerikanischen Terror gebe oder nicht.

Am Mittwoch erregte ein Bericht in der New York Times Aufsehen, in dem zwei hochrangige Überläufer den Irak mit islamistischem Terror in Verbindung bringen. In Salman Pak - südlich von Bagdad in einer Tigris- Schlinge gelegen - unterhalte das irakische Regime ein Trainingslager, in dem jeweils auch vierzig bis fünfzig Araber aus verschiedenen Ländern, von Saudi-Arabien bis Marokko, ausgebildet werden. Unter anderem sollen die Männer auch trainiert worden seien, ohne Waffen die Gewalt über ein Flugzeug zu übernehmen.

Biowaffenlabors

Salman Pak ist den UNO-Waffeninspektoren, die nach dem Golfkrieg bis 1998 versuchten, die Massenvernichtungswaffenprogramme des Irak aufzuklären, gut bekannt: Seit den Siebzigerjahren gab es dort Laboratorien, die sich mit der Herstellung von Bestandteilen für biologische Waffen befassten. Auch die Existenz eines Trainingslagers ist nichts Neues, die irakische Regierung hatte angegeben, sie trainiere eigene Spezialeinheiten für Antiterroreinsätze.

Aus dem Irak wird berichtet, dass im Oktober ein Versuch gescheitert ist, Saddams jüngeren Sohn Qusay, der als dessen designierter Nachfolger der zweitmächtigste Mann im Staat ist, zu ermorden. Zwei der islamistischen Opposition angehörende Männer sollen dafür hingerichtet worden sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2001)

Gudrun Harrer
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