Der Lohn des guten Tons

9. November 2001, 13:21
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Architekt Wilhelm Holzbauer erhielt den Österreichischen Staatspreis

Er gehört zweifelsohne zu jenen Architekten, die Österreichs Benutzeroberfläche stark geprägt haben. Das ist in Wien nicht zu übersehen und auch nicht in Salzburg. In Wien hat das mit der U-Bahn begonnen, zieht sich als Fußgängerzone durch die Kärntner Straße - beide späten österreichischen Anschlüsse an längst bewährte städtische Verkehrslösungen hat er mitgestaltet -, markiert mit einem Einkaufszentrum prominent den Kärntner Ring, spielt als Andromeda Tower zaghaft Skyline und fügt sich willig der Hülle eines der Simmeringer Gasometer.

1964 hat Wilhelm Holzbauer sich selbstständig gemacht. Von da an ging er umweglos den Weg des Großbaumeisters: "Ich bekenne mich zu einer Architektur, deren Wurzeln in einer pragmatischen Grundhaltung liegen und nicht in einer ideologischen." Architektur ist Wilhelm Holzbauer das, was gebaut ist. Ins Philosophische ausgreifende Traktate zu Form und Inhalt sind seine Sache nicht. Er hat, gemeinsam mit Hans Hollein, Gustav Peichl, Friedrich Achleitner, Johannes Spalt und Friedrich Kurrent, bei Clemens Holzmeister an der Akademie am Wiener Schillerplatz sein Handwerk erlernt. Mit Kurrent und Spalt dann als "Arbeitsgruppe4" ans architektonische Gewissen des Nachkriegsösterreich appelliert und dann ein paar Amerika-Jahre angeschlossen. Daran hinderte ihn auch der Untergang der "Andrea Doria" nicht.

Holzbauer überlebte die Katastrophe auf seiner ersten großen Überfahrt und erreichte die USA schließlich doch. Dort sollte er sich als Gastprofessor im Unterrichten üben. Von 1977 bis 1998 tat er das dann an der Angewandten in Wien so "ordentlich", dass das Institut ihn von 1987 bis 1991 zum Rektor machte.

Hartnäckig wie beim Versuch, Amerika zu erreichen, war Holzbauer auch bei der Errichtung des Amsterdamer Rathauses. Er gewann den diesbezüglichen Wettbewerb. Allein der Stadt mangelte es an Geld. Was die Stadtväter aber nicht daran hinderte, sich auch noch eine Oper zu wünschen. Holzbauer kombinierte Rat- und Opernhaus, überstand die 20 Jahre, die das Projekt in Schwebe harrte, und baute schließlich doch.

Überhaupt wird ihm ein sehr großes Verständnis für seine Bauherren nachgesagt, sollen deren Wünsche stets in Erfüllung gehen, ohne dass die sich über einen "Künstler" ärgern müssten, der starrköpfig an seiner ästhetischen Konzeption festhalten würde.

Und am Schluss sieht dann alles immer recht mächtig aus. Nach Big Business und trotzdem nicht zu auffällig. Holzbauer baut Häuser wie Hugo Boss Anzüge und isst gerne Risotto mit Leuten, die solche Häuser brauchen könnten. Weil er immer den richtigen Ton trifft, hat man ihm nun auch den großen Österreichischen Staatspreis verliehen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 11. 2001)

 Von
 Markus
 Mittringer


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