Wiener Grüne beklagen Kürzungen im Pflichtschulbereich

8. November 2001, 15:52
posten

Jerusalem: "Was Spaß macht, wird gestrichen"

Wien - Den "Aderlass" bei den Wiener Pflichtschulen beklagt die Bildungssprecherin der Wiener Grünen, Susanne Jerusalem. Durch die Vorgaben aus dem Finanzausgleich, mit dem im vergangenen Jahr ein neuer Lehrer-Schüler-Schlüssel festgelegt wurde, sind im heurigen Schuljahr rund 450 Planstellen weggefallen, bis 2004/2005 sollen es 660 werden. Dies bedeute generell höhere Schülerzahlen und Einsparungen bei unverbindlichen Übungen - "Was Spaß macht und das Lernen fördert, wird gestrichen", so Jerusalem bei einer Pressekonferenz in Wien.

Bekannt sind die ins Haus stehenden Kürzungen bei den Lehrer-Planstellen seit dem Ende des vergangenen Jahres. Durch ein neues Dienstrecht bei den Landeslehrern sowie zusätzliche Finanzmittel der Stadt Wien, die rund 100 zusätzliche Pädagogen finanzierte, konnten sie im Frühjahr jedoch geringer gehalten werden als erwartet. In ganz Österreich sind gegenüber dem vergangenen Schuljahr rund 2.200 Planstellen bei den Landeslehrern eingespart worden - das sind rund drei Prozent der Gesamtanzahl, worauf der Grüne Bundesrat Stefan Schennach im Bundesrat erneut hinwies. Erreicht wurde dies primär durch die Nicht-Nachbesetzung von durch Pensionierungen frei werdenden Stellen.

Beleuchtet hat Jerusalem die Auswirkungen der neuen Vorgaben durch den Finanzausgleich. Dazu seien Pflichtschul-Direktoren in fünf Wiener Bezirken befragt worden. Diese müssten autonom "jonglieren" und von den Zusatzangeboten "retten, was zu retten ist": So würde etwa nur mehr entweder Sport oder Musik, entweder Fremdsprachen oder EU-Projekte zusätzlich offeriert bzw. entweder muttersprachliche Angebote für fremdsprachige Kinder oder Begleitlehrer. Unter anderem führe das dazu, dass im vom Stadtschulrat herausgegebenen Schulführer verzeichnete unverbindliche Übungen oder andere Initiativen nicht mehr angeboten würden.

Besonders Volksschulen mit hohem Anteil an Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache seien benachteiligt, betonte Jerusalem. Gerade dort gebe es kaum noch unverbindliche Übungen, weil die Werteinheiten für den zusätzlichen Deutschunterricht benötigt würden. Als Folge würden die betroffenen Schulen noch unattraktiver für die Kinder.

Die Stadt Wien forderte Jerusalem auf, mehr in Nachmittagsbetreuung und die unverbindlichen Übungen zu investieren. In diesem Bereich müssten etwa 200 zusätzliche Planposten zur Verfügung gestellt werden, was rund 100 Millionen Schilling erfordere. Der Bund wiederum solle die Klassenschülerzahlen verkleinern - eine der Hauptforderungen des Bildungsvolksbegehrens (6. bis 13. November), das Jerusalem unterstützt.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.