"Junge Frauen drohen geistig zu vereinsamen"

8. November 2001, 13:24
posten

ÖVP will Wiedereinstieg nach Babypause erleichtern - SPÖ sieht "Alibiaktion mit Steuergeldern"

Wien - Eine neue Initiative, die jungen Frauen den beruflichen Wiedereinstieg nach der Babypause erleichtern bzw. helfen soll, den Ausstieg überhaupt zu vermeiden, hat ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat am Donnerstag in einer Pressekonferenz präsentiert. "Vom Ausstieg zum Einstieg. Kniffe gegen den Karriereknick" heißt das Projekt, in dessen Rahmen Seminare mit den notwendigen Informationen für werdende und junge Mütter angeboten werden. Die Kosten sollen öffentliche Hand bzw. SponsorInnen übernehmen.

Rauch-Kallat sieht diese Initiative - gemeinsam mit AMS und "Junger Wirtschaft" - als Beitrag zur Forderung nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit. Denn: Ein wesentlicher Teil des Einkommensunterschieds zwischen Frauen und Männern ist auf die Babypause zurückzuführen. Die jungen Frauen drohten oft geistig zu vereinsamen, berichtete Irene Kernthaler, eine der "Mütter" dieses Projekts. Diese Erfahrung habe man in zahlreichen Lokalaugenscheinen in Familienberatungsstellen gewonnen. "Das Seminar soll vor allem das Selbstbewusstsein von Frauen, die durch die Geburt eines Kindes oft in eine Art Isolation geraten, stärken", deponierte sie. Hilfe für betroffene Frauen sei Aufgabe der Gesellschaft.

Acht Wochen vor der Entbindung bzw. drei bis fünf Monate nachher soll den Frauen in den Seminaren mit Rat und Tat geholfen werden. Dezentral, also in den Bundesländern. Die Trägerinnen des Projekts gehören zur "Jungen Wiener Weiberwirtschaft". Deren Ziel ist es, die Situation junger Frauen durch Netzwerke verschiedener Berufsgruppen zu verbessern.

SPÖ kontert

"Die ÖVP ist also stolz darauf, dass sie im Rahmen von Seminaren Frauen in der Karenz über ihre schwierige Situation aufklären will, tut aber nichts, um die Situation dieser Frauen zu verbessern", kritisierte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl am Donnerstag in Reaktion auf ÖVP-Generalsekretärin Rauch-Kallat. Frauen, die den Wiedereinstieg ins Berufsleben erfolgreich schaffen wollen, brauchen konkrete gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen und ein qualifiziertes und flächendeckendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Wiedereinstiegshilfen in Form von beruflicher Weiterbildung, so Kuntzl.

Das Selbstbewusstsein von Frauen zu stärken - wie es Rauch-Kallat als eine Zielsetzung dieses Seminars formulierte - ist zwar ein guter Ansatz, "allein: die Hürden und Probleme, mit denen Frauen nach einer Berufsunterbrechung zu kämpfen haben, sind damit nicht gelöst." Vor dem Hintergrund der Abschaffung der Frauenpolitik durch diese Regierung, deren Politik vielmehr darauf abzielt, Frauen sukzessive aus dem Erwerbsleben zu verdrängen, ist diese Form der "Wiedereinstiegshilfe" eine "Verhöhnung der Frauen".

Kuntzl kritisierte weiters, dass sich die ÖVP diese Parteiaktion aus öffentlichen Geldern - Wirtschaft, AMS, Sozialministerium - finanzieren lässt. "Während auf der einen Seite Frauenberatungsstellen finanziell ausgehungert werden und für die von der SPÖ geforderte Qualifizierungsoffensive für Frauen laut ÖVP kein Geld vorhanden ist, startet die ÖVP mit Steuergeldern eine Alibiaktion, die offensichtlich nur davon ablenken soll, dass Frauenpolitik in Form von Frauenförderung nicht mehr stattfindet", so Kuntzl abschließend. (APA/red)

Share if you care.