Grasser: Frauen sollen länger arbeiten

9. November 2001, 13:03
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Frühere Angleichung des Frauenpensionsalters trotz Einkommensschere

Wien - Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) hat sich für ein einziges Pensionsrecht in Österreich ausgesprochen. Sein Plädoyer machte er am Mittwochabend bei einer Euro-Vortragsveranstaltung vor MedizinerInnen daran fest, dass viele BeamtInnen einen Wechsel in höher bezahlte Jobs in die Privatwirtschaft ablehnten, da sie in der Folge Millionen an Pensionen verlieren würden. Das um fünf Jahre niedrigere Pensionsantrittsalter der Frauen im Vergleich zu den Männern ist für Grasser "nicht einzusehen", weil Frauen ja auch länger lebten.

Das unterschiedliche Pensionsantrittsalter von Männern und Frauen ist bis 2018 verfassungsrechtlich verankert. Erst danach sieht das 1992 beschlossene Gleichbehandlungspaket eine schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters vor. Zuerst sollten die ökonomischen Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern beseitigt werden.

"Rückschritte"

Franz Kohmaier, Mitglied der von der Regierung eingesetzten Pensionskommission, hat sich in der Donnerstag-Ausgabe der "Presse" dafür ausgesprochen, die Angleichung "weitaus" früher als beschlossen vorzunehmen. Die ÖGB-Frauen lehnen dies entschieden ab. ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidenten Renate Csörgits: "Solange die geschlechtsspezifische Einkommensschere um mehr als ein Drittel auseinander klafft, lehnen wir einen derartige Forderung entschieden ab." Von einer aktiven Gleichstellungspolitik merkt Csörgits "weit und breit nichts. Im Gegenteil, ich stelle nur Rückschritte fest". Die ÖGB-Frauenvorsitzende forderte deshalb die Regierung und ihre ExpertInnen auf, lieber Maßnahmen zu setzen, um die Gleichstellung am Arbeitsmarkt voranzutreiben.

Kohmaier hat sich auch für eine Aufwertung der Kindererziehungszeiten ausgesprochen. In den ersten drei Jahren sollten diese verdoppelt werden, zudem sollte die Anrechnung nach Ansicht des Sozialexperten für insgesamt sechs Jahre erfolgen.

ÖGB für Bündel an Maßnahmen

Dieser Forderung stimmen die ÖGB-Frauen unter Auflagen zu. "Das kann aber nicht alles sein. Es geht nicht an, nur Frauen über ihre Funktion als Mutter absichern zu wollen, und gegen die vielfältigen Diskriminierungen im Arbeitsleben, die es sowohl für Frauen mit Kindern als auch für kinderlose Frauen gibt, nichts zu tun." Die ÖGB-Frauen schlagen deshalb ein Bündel an Maßnahmen vor, von dessen Umsetzung sie sich echte Verbesserungen für die Frauen versprechen.

Prammer: Gleichstellung noch lange nicht gegeben

"Auch wenn sich die Vertreter der Bundesregierung noch so sehr bemühen, die Gleichstellung der Frauen herbeizureden, sie ist noch lange nicht gegeben", reagierte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer auf die Aussagen des Finanzministers, dass ein unterschiedliches Pensionsantrittsalter zwischen Männern und Frauen nicht einzusehen wäre.

Die SPÖ-Frauenchefin konterte: "Nicht einzusehen ist für mich vor allem die Doppel- und Dreifachbelastung der Frauen sowie die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen." Eine vorzeitige Anhebung des Pensionsantrittsalters könne sich Prammer keinesfalls vorstellen, da die berufliche, familiäre und gesellschaftliche Gleichstellung der Frauen bis 2019 gewiss nicht gegeben sei. "Und die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung weisen sogar eher in die entgegengesetzte Richtung", betonte Prammer abschließend.

Grüne gegen vorzeitige Angleichung

Die Grünen lehnen eine vorzeitige Anhebung des Frauenpensionsalters entschieden ab. Dem Vorschlag des Sozialexperten Franz Kohmaier "kann ich nicht folgen", sagte der Sozialsprecher Karl Öllinger. Für eine vorzeitige Anhebung werde es keine Zustimmung der Grünen geben.

Öllinger verwies darauf, dass im 1992 beschlossenen Gleichbehandlungspaket, das das unterschiedliche Pensionsalter bis 2018 verfassungsrechtlich verankert, ein Ausgleich der für Frauen bestehenden Ungerechtigkeiten als Voraussetzung für die Anhebung festgeschrieben worden sei. Diese Ungerechtigkeiten seien aber noch keineswegs kompensiert.

Pensionserhöhung

Zu den laufenden Verhandlungen über die Pensionsanpassung meldete sich SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures zu Wort: "Die Teuerung muss den Seniorinnen und Senioren abgegolten werden", betonte Bures am Donnerstag. Die Alterspensionen müssten demnach um 2,9 Prozent erhöht werden.

Bures wies außerdem darauf hin, dass die durchschnittlichen Pensionen von Frauen unter 10.000 Schilling im Monat betrage, die von Männern liegen bei rund 15.000 Schilling pro Monat. (APA/red)

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