Asbestkiller Gewürznelke

15. November 2001, 14:51
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Italienische Chemiker neutralisieren hochgiftige Fasern mittels eines Nelkenextraktes

London/Turin - Italienische Chemiker haben ein neues Einsatzgebiet für Gewürznelken gefunden. Die Forscher neutralisierten Asbestfasern mittels eines Nelkenextraktes. Kam die Flüssigkeit mit der Asbestoberfläche in Berührung, verhärtete sich das mineralische faserartige Material zu einem ligninartigen Polymer. Lignin ist ein wesentlicher Bestandteil von Holz. Die gefährlichen Fasern wurden in das Polymer eingebettet und konnten nicht mehr in die Luft entweichen, wie New Scientist berichtet.

Die Chemikerin Bice Fubin von der Abteilung für anorganische Chemie der Universität von Turin verwendete eine Mischung von Wasserstoffperoxid und Eugenol. Eugenol ist eine Aromakomponente der Gewürznelken (Eugenia caryophyllata). Die Wirkstoffkombination wirkte bei Krokydolith (blauer Asbest). Krokydolith gilt als die gefährlichste Form des Minerals. Die Forscher sind überzeugt, dass Eugenol auch bei weißem und braunem Asbest wirkt. Als zusätzlichen Mehrwert sieht Fubin, dass das Polymer auch so genannte freie Radikale vernichtet. Freie Radikale sind hochaktive Substanzen, die das Erbmaterial schädigen und zu Krebs führen können.

Wie Fubini in der Online-Ausgabe von Chemical Communication schreibt, blieb das Polymer während des Versuchs stabil. "Es ist mitunter möglich, das Polymer ohne Gefahr für den Menschen zu vergraben oder es auch am Einsatzort wie Gebäuden zu belassen. Die absolute Sicherheit muss aber erst untersucht werden", erklärte Fubini. Das Team hofft nun auf die Unterstützung von Unternehmen, um die Idee zu vermarkten und die bestmögliche Anwendungsform zu finden. In der Praxis sei ein Eugenolextrakt oder ein synthetisches Produkt möglich.

Asbest wurde in der Vergangenheit fast universell eingesetzt. Da das Mineral nicht brennt, Wärme und Schall schlecht leitet, wurde es vielfach zur Isolierung von Rohren, Heizungen und Elektrogeräten sowie als Asbestzement in sehr vielen Gebäuden verwendet. Obwohl die Verwendung von Asbest sehr stark eingeschränkt wurde, bereitet der berufliche Kontakt im Rahmen von Sanierungen und die unbemerkte Aufnahme von Fasern durch die Verwitterung von Asbest Probleme. Bei der Verwitterung spalten sich Fasern ab, die staubfein sind und eingeatmet werden können. Personen, die mit Asbest in Kontakt kamen, haben nach rund zehn Jahren ein ansteigendes Risiko, an einer Asbestose zu erkranken. Bei der chronischen Lungenkrankheit verhärten sich die elastischen Lungengewebe als Reaktion auf den Reiz der Fasern und den daraus resultierenden Entzündungen.(pte)

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