Navigationshilfe für Rollstuhlfahrer

11. November 2001, 16:27
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Erleichterung im täglichen Barrieren-Slalom

Münster - Ein Navigationssystem für Rollstuhlfahrer könnte Behinderten in Zukunft Wege ohne Barrieren durch Städte zeigen. Der Landschaftsökologie- und Geoinformatik-Student der Universität Münster Carsten Dewey hat ein Computerprogramm entwickelt, das anhand von Informationen über mögliche Hindernisse und Barrieren im Fortbewegungsbereich (z.B. Engpässe auf Fußwegen und Kopfsteinpflastern) Rollstuhlfahrern eine möglichst hürdenfreie und kurze Route berechnet. Für die Entwicklung des Prototyps des mobilen Navigationsdienstes hat Dewey einen von fünf ersten Plätzen beim Deutschen Studienpreis der Hamburger Körber-Stiftung belegt. Die Preisverleihung des mit je 5.000 Euro dotierten Preises findet am 25. Februar 2002 in Berlin statt.

Dewey versuchte Barrieren und Hindernissen für Rollstuhlfahrer so zu beschreiben, dass die Information von einem Computer verarbeitet und übermittelt werden kann. Damit können Rollstuhlfahrer unterwegs abschätzen, wie viel Körpereinsatz sie für deren Überwindung brauchen. Typische Hindernisse sind Bordsteinkanten ohne Absenkung, zu schmale Gehwege oder Kopfsteinpflaster. Der Student entwarf dafür drei Dienste, die Rollstuhlfahrer bei der Navigation unterstützen sollen. So können zunächst über eine Art Filter unüberwindbare Barrieren individuell gefunden werden. Danach werden Start und Ziel angegeben und der Computer berechnet die kürzeste Strecke unter Berücksichtigung der angegebenen Barrieren. Das Ergebnis ist eine Beschreibung dieser Strecke und auffälliger Hindernisse, die deren Bewältigung erschweren.

Gefördert wurde Deweys Idee durch die Mitarbeit im Projekt MoSS (Mobile Sensors and Services) am Institut für Geoinformatik der Universität Münster, das sich mit der Entwicklung intelligenter mobiler Dienste beschäftigt. Dieses wird in Kooperation mit der Firma MobileGIS Ltd. (Irland) durchgeführt. Laut Angaben der Uni wird zurzeit gemeinsam mit beteiligten Firmen überlegt, wie der bestehende Prototyp weiterentwickelt und in bestehende Informationssysteme wie zum Beispiel das Projekt "KOMM" (Kommunikations- und Orientierungshilfen für Menschen mit Behinderungen in Münster) integriert werden kann. (pte)

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