Aus für "Diario 16"

8. November 2001, 11:59
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Spanische Zeitung stellt Erscheinen ein

Nach 25 Jahren ist "Diario 16" eingegangen: Donnerstag fehlte an den Kiosken die spanische Tageszeitung. Der Herausgeber der Madrider Traditionszeitung, die galizische Mediengruppe "Voz", begründete die Schließung damit, dass die Zeitung in den vergangenen Jahren ständig rote Zahlen geschrieben habe. Der Versuch, einen Partner oder einen Käufer zu finden, sei gescheitert.

Gegenpol zu "El Pais"

Das liberal-konservative Blatt wurde bereits ein Jahr nach dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) gegründet und machte sich wegen seines Eintretens für die demokratischen Prinzipien in einer damals noch zu weiten Teilen franquistisch orientierten Gesellschaft einen Namen. Schnell stieg das von Juan Tomas de Salas herausgegebene Blatt zum Gegenpol der wenig zuvor gegründeten Tageszeitung "El Pais" auf und wurde mit einer Auflage von 150.000 Exemplaren Spaniens drittgrößte überregionale Tageszeitung. Dennoch geriet "Diario 16" schon zu Beginn in finanzielle Probleme. So holte sich das Blatt den für seinen Enthüllungsjournalismus bekannten Pedro J. Ramirez als Chefredakteur. Und die Rechnung ging auf: Große Ereignisse wie der Staatsstreichversuch 1982 erschienen zuerst im "Diario 16".

Schuldenberg

Doch bereits 1989 verließ Ramirez nach Differenzen mit dem Herausgeber Salas die Zeitung, kaufte das gesamte Archiv auf und nahm die Hälfte der Redaktionsbelegschaft mit zur neu gegründeten Tageszeitung "El Mundo", die "Diario 16" nach und nach den Rang abspenstig machte. Unterdessen rutschte "Diario 16" immer tiefer in die roten Zahlen. 1994 lag der Schuldenberg bereits bei mehreren Millionen Schilling.

Aufbruchstimmung

Vor vier Jahren ersteigerte dann die galizische Mediengruppe "Voz" die finanziell ruinierte Tageszeitung. "Damals sah es so aus, als könnten wir uns wieder aufrappeln. Es kam endlich wieder Geld in die Kassen und besonders die jungen Redakteure waren hochmotiviert", beschreibt Jose Luis Guardia, ein Urgestein der Zeitung die damalige Aufbruchsstimmung. Die Mediengruppe, der mehrere Lokalblätter, Fernseh- und Rundfunksender sowie Galiziens größte Regionalzeitung "La Voz de Galicia" angehören, war jedoch nicht in der Lage, "Diario 16" zu seiner alten Größe zurückzuführen.

Belegschaft reduziert

In vier Jahren verlor der neue Herausgeber 408 Millionen Schilling (29,7 Mill. Euro) und man war nicht bereit, weitere Investitionen ins Madrider Blatt zu stecken. (APA)

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