Schweiz: Al-Taqwa-Konten gesperrt

8. November 2001, 17:13
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Staatsanwalt: Verdacht auf Terrorfinanzierung - Kein Hinweis auf Aktivitäten in Österreich

Bern/Vaduz/Wien - Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat im Zuge ihrer Ermittlungen gegen die Tessiner Finanzgesellschaft al-Taqwa/ Nada alle Bankkonten der Firma und ihrer Verantwortlichen sperren lassen. Wie der stellvertretende Bundesanwalt Claude Nicati am Donnerstag vor den Medien in Bern erklärte, ging eine entsprechende Aufforderung an alle Banken in der Schweiz. Ein Strafverfahren richtet sich vorerst gegen die Ägypter Youssef Nada und Ali Ghaleb Himmat wegen der mutmaßlichen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.

Nach der Publikation der erweiterten Liste der USA, die Namen von Organisationen beinhaltet, die den internationalen Terrorismus unterstützen sollen, war Nada in Lugano kurzzeitig festgenommen und verhört worden. Wie die NZZ am Donnerstag schrieb, stehe der Präsident der "Nada Management Organisation" im Verdacht, Verbindungen mit Osama bin Laden zu haben. Die Finanzgesellschaft "Nada Management Organization", die noch bis vor kurzem al-Taqwa hieß, ist in den Ruf geraten, als "verkappte Bank islamistischer Organisationen zu operieren". Nada sei laut NZZ 1954 nach dem Verbot der Muslimbruderschaft in Ägypten nach Libyen geflüchtet. Nach der Machtübernahme von Muammar el Gaddafi, 1969, habe er sich aber nach Österreich abgesetzt. Bald danach habe ihm der CA-Bankverein in Wien eine eigene Büroflucht angeboten; Nada habe im Gegenzug Finanzen für den CA-Bankverein streng nach dem islamischen Gesetz verwaltet. Damit sei zum ersten Mal in Europa Kapital gemäß der Scharia investiert worden.

Nicht verändert

Derzeit gibt es offenbar keine neuen Hinweise auf Finanzverbindungen mutmaßlicher terroristischer Organisationen mit österreichischen Banken. Verdächtige Verbindungen seien im Oktober bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden, seither habe sich die Sachlage nicht verändert, sagte der Sprecher der Generaldirektion für die Öffentliche Sicherheit, Rudolf Gollia, am Donnerstag.

Einzelne verdächtige Konten seien entweder bereits gesperrt, in mehreren Fällen hätten sich Namensgleichheiten als harmlos aufgeklärt, hieß es von Bankenseite. Es gebe vorerst keinen weiteren Handlungsbedarf. Nada scheint im Wiener Firmenbuch bereits seit 1970 als Prokurist und Gesellschafter der Youssef M. Nada & Co. GesmbH, die am Kärntner Ring 2 ansässig ist.

Nach einer Kapitalerhöhung 1987 weist die Gesellschaft ein Stammkapital von 500.000 S (36.337 €) auf. Eine Bankverbindung dieser Gesellschaft mit der heutigen Bank Austria-Tochter Creditanstalt sei bereits im März gekappt worden, sagte Bank Austria-Sprecher Martin Hehemann. Das Unternehmen beschäftigt laut Firmenbuch außer Nada und Geschäftsführer Himmat Ali Ghaleb, beide 50-Prozent-Gesellschafter, keine weiteren Mitarbeiter. Es

sind auch keine besonderen Geschäftstätigkeiten der Gesellschaft bekannt.

Bei den Ermittlungen der Schweizer Behörden wurden auch erste Spuren nach Liechtenstein entdeckt. Am Mittwoch untersuchten die Behörden in Vaduz zwei "Briefkästen". Bei den Sitzgesellschaften Al-Taqwa Trade und der Asat Trust, die zur Finanzgesellschaft al-Taqwa gehören sollen, wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt und Akten beschlagnahmt. Um wie viele Konten es sich handelt, konnte Gerichts-Pressesprecher Lothar Hagen nicht sagen. Gegen die Liechtensteiner Treuhänder der Briefkastenfirmen laufen, so Hagen, vorerst keine Untersuchungen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.11.2001)

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