"Anti-Pilz-Diät" möglicherweise mehr schädlich als nützlich

8. November 2001, 11:30
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Ernährungsgesellschaft übt deutliche Kritik - Hefepilz sei in den meisten Fällen normaler Bestandteil der Darmflora

Wien - Der im Darm vieler Menschen vorkommende Hefepilz Candida albicans wird mit zahlreichen Beschwerden in Verbindung gebracht. Die ihm zugeschriebenen Krankheiten reichen von chronischer Müdigkeit über Depressionen und Hauterkrankungen bis zu Magen-Darm-Problemen und Migräne. Als Gegenmittel wird vielfach eine zuckerfreie Kost empfohlen. Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung sieht in der "Anti-Pilz-Diät" ein Problem: Der Nutzen sei "durch keine wissenschaftliche Untersuchung zu untermauern.

"Normaler Bestandteil der Intestinalflora"

Die Verfechter der "Anti-Pilz-Diät" sind überzeugt, dass die Darmbesiedelung mit dem Hefepilz durch den Verzehr von raffinierten Kohlenhydraten, insbesondere Zucker, gefördert wird. Tatsächlich sei Candida albicans bei etwa 75 Prozent aller gesunden Mitteleuropäer ein "normaler Bestandteil der Intestinalflora".

"Candida albicans assoziierte Beschwerden dürfen jedenfalls nicht mit einer Candidamykose verwechselt werden", betonte die Gesellschaft für Ernährung. "Hierbei handelt es sich um eine ernst zu nehmende Infektionskrankheit, die bei stark abwehrgeschwächten Personen (z.B. unter einer immunsuppressiven oder zytostatischen Therapie) auftreten kann." In solchen Fällen sei eine Therapie mit antimykotischen Medikamenten angezeigt. "Bei immunkompetenten Personen erfordert der Nachweis von Candida albicans im Stuhl nach dem jetzigen Kenntnisstand jedoch keine besonderen Maßnahmen. Obwohl mittlerweile allgemein anerkannt ist, dass der Darmflora für die Gesunderhaltung des Menschen eine wichtige Rolle zukommt, bringt eine zuckerfreie Ernährung diesbezüglich keine besonderen Vorteile", hieß es.

Verzicht auf Obst nicht anzuraten

Was spricht gegen eine zuckerfreie Ernährung? Die "Anti-Pilz-Diät" beinhalte neben dem vollständigen Verzicht auf Haushaltszucker auch das Verbot von Frischobst. Das ist einer der Hauptkritikpunkte der Gesellschaft. Gerade Obst kann mit einer reichen Palette an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen aufwarten. Neben Vitaminen und Mineralstoffen liefert es auch eine Reihe bioaktiver Substanzen wie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe.

Der Rat der Experten: "Eine vollwertige und ausgewogene Ernährung mit reichlich Vollkornprodukten, Kartoffeln, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse sowie Sauermilchprodukten (Jogurt, Buttermilch, probiotische Milchprodukte) ist mit Sicherheit die beste Voraussetzung, um den Darm gesund zu erhalten und das Immunsystem zu stärken." (APA)

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