Amazon: O.K. auf fixe Buchpreise

8. November 2001, 10:46
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Services als neues Standbein

Der US-amerikanische Onlinebuchhändler Amazon.com wird die in Deutschland und Österreich geltende Buchpreisbindung vorläufig nicht unterlaufen. "Durch Billigexporte nach Österreich könnten wir Bücher billiger verkaufen", sagt Stefan Roppel, Bereichsleiter für Bücher und CDs bei Amazon für Deutschland und Österreich. Im Gegensatz zu Lion.cc aus Österreich, das bereits 1999 durch Reimporte das Preisgefüge ins Wanken brachte, will Amazon die Buchpreisbindung zumindest vorläufig nicht attackieren.

Eine Entscheidung, die für Diskussionen sorgen wird

Allerdings mit einer Einschränkung, die noch für Diskussionsstoff sorgen dürfte. "Was wir wollen, ist Gerechtigkeit", sagte Roppel. Große Verlage wie Weltbild sowie Bertelsmann hätten bereits die Möglichkeit durch Bonusprogramme geltende Mindestpreise für Bücher zu unterlaufen. Kleine und mittlere Buchhändler sollen mit den Mindestpreisen vor der wirtschaftlichen Übermacht großer Buchhandelsketten geschützt werden.

Erster Gewinn nach Weihnachten

Mit dem Verkauf von Büchern und Musik-CDs wurde Amazon.com zu einem der Markenunternehmen im Internet. Allerdings: Gewinne hat der börsennotierte Internethändler, der 1994 gegründet wurde, noch nicht erzielt. Zu Weihnachten, im siebten Geschäftsjahr, sollen erstmals Gewinne erzielt werden. Ein erweitertes Produktangebot, dazu gehören Computer, Software oder Heimwerkerbedarf, sowie der Feinschliff bei der Software, die den Internetkäufer nach einmaliger Registrierung zielsicher zu den Angeboten führt, will Amazon noch attraktiver werden. Forcieren wolle man auch den Bereich Services, als "zweites Standbein" sozusagen. "Ausgewählte Partner" werden dabei mit der Software, Internettechnologie sowie Logistik versorgt, sagt Roppel.

Vom Umsatz des dritten Quartals 2001 in Höhe von 639 Mio. Dollar (709,9 Mio. Euro/9,8 Mrd. S) wurden 46 Mio. Dollar (rund fünf Prozent) mit Services erzielt. Amazon.at soll noch stärker um österreichische Angebote erweitert werden. Renate Röbl, Ex-ORF-Mitarbeiterin, ist seit September 2001 dafür zuständig. (Thomas Jäkle/ Der Standard, Printausgabe vom 8.11.2001)

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