Krank durch Cola und Schokolade?

8. November 2001, 10:48
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An Diabetes erkrankter deutscher Richter verlangt Schmerzensgeld

Essen - In einem ungewöhnlichen Prozess verlangt ein an Diabetes erkrankter Richter vom Getränke-Hersteller Coca Cola Deutschland Schmerzensgeld. Die Richter des Landgerichts Essen sollen am Montag darüber entscheiden, ob der jahrelang Konsum von Coca Cola zumindest mitverantwortlich für die Erkrankung des 45 Jahre alten Hans Josef Brinkmann ist. Eine gleichgerichtete Klage hat der Vizepräsident des Landgerichts Neubrandenburg gegen den Süßwarenhersteller Masterfood in Mönchengladbach eingereicht.

täglich einen Liter Cola getrunken

Von 1994 bis 1998 hatte Brinkmann nach eigenen Angaben täglich einen Liter Cola getrunken und mehrere Schokoriegel gegessen. Dabei habe er rund 40 Kilogramm Zucker in sich hinein gestopft, hat der Richter ausgerechnet: Genug, um ihn "süchtig zu machen" und seine Gesundheit gründlich zu ruinieren. Zum Schluss brachte der 1,87 Meter große Mann mehr als 100 Kilogramm auf die Waage, und die Ärzte diagnostizierten Diabetes mellitus Typ II b.

Warnhinweise für Süssigkeitsverpackungen

Nach Ansicht von Brinkmann haben die Hersteller der süßen Verführer nach dem Produkthaftungsgesetz "gebotene Warnhinweise", ähnlich wie auf Zigarettenschachteln, unterlassen. Stattdessen werde der Verbraucher durch "aggressive" Werbung zu ungesundem Essverhalten verleitet. "Selbst wenn der Verbraucher weiß, dass zu viel Fett und Zucker ungesund sind, verlockt sie zum unkontrollierten Zugriff". Vor allem Kinder verlangten nach den Marken, die sie täglich in der Werbung sehen. "Diese Machenschaften möchte ich gerne unterbinden", wünscht sich Brinkmann.

Verlangt die Übernahme der Folgekosten für die Behandlung Jeweils 77.391 S (5.624 Euro) will Brinkmann vor den Landgerichten Essen und Mönchengladbach erstreiten. Außerdem verlangt er die Übernahme der Folgekosten für die Behandlung seiner Krankheit. Und dafür, so hat er bereits angekündigt, ist er bereit, durch alle Instanzen zu gehen. Die Verhandlung vor dem Landgericht Mönchengladbach ist für den 16. Jänner angesetzt.

Coca Cola und Masterfood geben sich gelassen. "Wir sehen das ganze ziemlich entspannt", sagte Coca Cola-Sprecher Klaus Hillebrand vor kurzem. Und Masterfood teilte mit: "Es gibt eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen, die belegen, dass eine Erkrankung an Diabetes nicht auf den Konsum zucker- oder fetthaltiger Produkte zurückzuführen ist." (APA/dpa)

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