Inter-mediterran

8. November 2001, 16:28
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Das Wiener Hotel Intercontinental hat neue Restaurants bekommen. Und zwar gleich drei an der Zahl

Im Zuge des so genannten "Refurnishments" aller 260 Intercontinental-Hotels auf der Welt blieb auch in dem von außen wenig vorteilhaft aussehenden Fünfsterner beim Wiener Eislaufverein wenig beim Alten: Alle Zimmer wurden erneuert, 700 Millionen investiert, dann kam das Restaurant dran, "weil die Form des Vier Jahreszeiten hatte sich irgendwie totgelebt", sagt Hoteldirektor Jörg Böckeler. Dem das Thema Gastronomie ein Herzensanliegen ist. Die Idee war, dass die Gastronomie des Interconti dem lokalen Markt angepasst sein müsse, und da mediterrane Küche hier zur Zeit der Renner ist, war die Richtungsentscheidung bald getroffen.

Mit David Wrann holte man sich einen früheren Designchef von Terence Conran, der sich also daranmachte, die Räumlichkeiten der ehemaligen Interconti-Brasserie in drei verschiedene Atmosphären zu unterteilen: Ein "Antipasti" genanntes Lokal in warmen Erdfarben, das über die größte offene Küche Europas verfügen soll und in dem man rasche Happen aus Italien, Spanien, Türkei und Griechenland, Nordafrika oder Frankreich bekommt. Was im Falle des Spanien-Sortiments frittierte Sardinen mit Aioli, ein sehr feiner Calamarisalat, etwas indifferente Fleischbällchen, feine Dörrpflaumen in Speck und geröstete Mandeln sind (öS 172 / EURO 12,5). Das Programm sieht so interessant aus, dass man sich durchaus vorstellen kann, hierher zu kommen, auch wenn man nicht im Hotel wohnt, es schüttet und gerade alle Taxis explodiert sind.

Die nächste Qualitätsstufe ist dann das "MediterraNeo", dem man südliche Atmosphäre einzuhauchen versuchte, was nicht ganz überzeugend gelang, aber dafür gibt man sich küchenmäßig Mühe: Gespielt wird ein mediterranes Crossover, das preislich zwar schon an der Decke kratzt, hinsichtlich der Zutaten werden da aber auch keine Kompromisse gemacht. Das gebratene Rinderfilet mit Brunello-Sauce war hervorragend, die Speckkartoffeln ein bisschen banal (öS 302,73 / EURO 22), der Vacherin Mont d'or mit weißem Trüffel himmlisch. In einem Extra-Raum namens "Nobile" hat man dann die Möglichkeit, ein drei- (öS 688,02 / EURO 50) bis siebengängiges (öS 1513,63 / EURO 110) Menü des englischen Jungkochs Michael Farnhill zu verzehren, bei dem es nicht an Trüffel, Languste, Beluga, Gänsestopfleber und Kaviar fehlt.

Als nachgerade revolutionär kann man das neue kulinarische Interconti-Tryptichon natürlich nicht bezeichnen, ein kräftiges Lebenszeichen der eher scheintoten Hotel-Gastronomie Wiens ist es aber auf jeden Fall.

derStandard/rondo/2/11/01

von Florian Holzer
Johannesg. 28, 1030 Wien, Tel: 01 / 711 22-190,
Antipasti, MediterraNeo tägl. 12-24, Nobile tägl. 18-24 Uhr
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