Couscous mit Luke

13. Mai 2005, 12:41
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Der Planet der Skywalkers liegt in Tunesien. In den Berberhöhlen, wo Star Wars gedreht wurde, sind Fans jetzt auf der Suche nach Details zur fünften Episode

Roboter verharren noch immer in den Mauernischen, futuristische Antennenstecken im Sand, als seien ihre außerirdischen Erbauer nur für ein paar Minuten fortgeflogen. Das Esszimmer im Haus von Familie Skywalker ist karg - eine in den Fels getriebene Höhle: eine gemauerte Eckbank, drei Tische, Nischen für Vorräte, rätselhafte Elektronik neben der Tür. Vor kurzem noch war Prinzessin Amidala, Herrscherin des Planeten Naboo, zu Gast. Achtmal musste sie in ihrem weiten blauen Gewand die in den Fels gehauene Treppe im Hof in Begleitung eines Roboters herabschweben, bis ihr Chef endlich zufrieden war.

Er heißt George Lucas, ist Regisseur von "Krieg der Sterne" und war zurückgekehrt ins Alderan-Sternensystem, um für den nunmehr fünften Teil seines Kino-Welterfolgs zu drehen. Im Mai 2002 soll Filmstart in den USA sein, der englische Titel "Episode II - Attack of the Clones".

Der Sandplanet Tatooine aus der "Star Wars"-Saga, Heimat der Filmhelden Anakin und Luke Skywalker, liegt im Süden Tunesiens. Die Kulissen stehen noch in Matmata und vor den Toren der Oase Nefta. Ehrfürchtig betasten Filmfans jetzt die Machwerke der Set-Designer, suchen Zeugen, die dabei waren, als Jedi-Ritter hier meditierten. Sie versuchen schon vor dem Kinostart, Details der von der Filmfirma als Staatsgeheimnis gehandelten Story herauszufinden. Im Esszimmer der Weltraum-Familie essen sie hausgemachtes Couscous mit Hammelfleisch und verwandeln ihren Tunesien-Urlaub für ein paar Stunden zu Ferien in fernen Welten.

Wo im Höhlendorf Matmata gedreht wurde, ist heute ein Restaurant mit Bar untergebracht - mitten in den Kulissen. Wer mag, kann gegen ein paar Dinar Plastikfiguren der Filmhelden mit nach Hause nehmen. "Zwei Monate lang", erzählt Inhaber Abdelkarim Jemni, "haben die Ausstatter hier gearbeitet, technische Finessen in unsere Höhlen eingebaut, falsche Wände gezogen und unechte Tore montiert. Weniger als eine Woche haben dann die eigentlichen Dreharbeiten gedauert."

Die südtunesische Wirklichkeit kam den Set-Designern zum wiederholten Mal entgegen: Die jahrhundertealten Wohnhöhlen der Berber im Dahar-Gebirge, die von kreisrunden Kratern abgehen, erschienen ihnen fremd genug, um im Kino futuristisch zu wirken. Zum Schutz vor Hitze und Sandstürmen gruben die Bewohner einst wie mit dem Zirkel gezogene Löcher in das weiche Gestein, von denen seitlich Wohn-, Schlaf- und Vorratskammern abgehen. Noch heute wohnen Berberfamilien in einigen dieser Höhlen, in denen es im Winter angenehm warm und im Sommer erfrischend kühl ist.

"Solange wir neue Episoden der ,Star Wars'-Serie drehen, so lange werden wir immer wieder nach Tunesien zurückkehren", sagt Hollywood-Produzent Rick McCallum. Das Land hat sich inzwischen an die Besuche der Außerirdischen gewöhnt. Vorbei sind die Zeiten, als der vorlaute Roboter R2-D2 am Flughafen von Tunis - wie vor dem Dreh von 1997 geschehen - vom Zoll (für kurze Zeit) festgesetzt wurde. Den örtlichen Tourismusmanagern kann kaum etwas Besseres passieren, als dass auf Leinwänden rund um den Globus immer wieder kostenlos für Tunesien geworben wird - und später Kinofans zu den Originalschauplätzen pilgern.

Begonnen hat der Filmboom zwischen Mittelmeer und Sahara mit "Der Englische Patient", dessen Handlung in Ägypten spielt. Regisseur Anthony Minghella hat den später mit mehreren Oscars ausgezeichneten Film 1995/96 bei Oung Jemel vor den Toren der Oasenstadt Tozeur aufgenommen: "Du musst in Tunesien drehen, um die ganze Schönheit Ägyptens zu zeigen", schwärmte er damals. Nur ein paar Kilometer von Minghellas Set hatte Lucas bereits 1997 zwei Kulissenstädte für die "Krieg der Sterne"-Folge "Episode I" in den Sand des Grand Erg Oriental zimmern lassen. Beide hat er im September 2000 ein weiteres Mal genutzt und zusätzlich eine dritte Stätte auf dem Salzsee Chott el-Jerid zwischen der Oase Nefta und der tunesisch-algerischen Grenzstadt Hazoua neu errichten lassen. Der Kuppelbau mit der angrenzenden kreisrunden Raumschiff-Garage ist in der nächsten Folge die Filmheimat von Skywalkers Onkel Owen und passt so gut in die Landschaft, als stünde er bereits seit Generationen an dieser Stelle.

Die kleinere der älteren Kulissen bei Oung Jemel wird bald ein Raub der Wüste werden. Kurz nach Ende der Dreharbeiten krachte ein Ausflugs-Landrover in das Pappmaché-Wohnhaus von Anakin Skywalkers Mutter Shmi. Zum Glück war niemand zu Hause. Tatooine ist menschenleer, seit die Leute mit den Kameras und den Scheinwerfern wieder zurück nach Kalifornien geflogen sind. In der Dämmerung holen sich Nomaden das Holz der Trümmer, um damit Feuer zu machen. In der größeren Kulissenstadt, wo einst Raumschiff-Ersatzteilhändler Wattoo Kauderwelsch quasselte, reißt der Saharawind immer wieder an einem letzten Stoffbaldachin und treibt Sand zwischen Antennen hindurch. Im Inneren vieler Häuser sind schwarze Tuchbahnen gespannt, in einem liegen noch Pinsel und Farbreste der Kulissenbauer. Wächter Ammar hat seine Habe in der Werkstatt von Wattoo untergestellt. Nur übernachten mag er hier nicht. Er schläft lieber ein paar Meter abseits auf dem Kamm einer Düne. Von dort aus hat er den besten Blick auf das Alderan-Sternensystem. Und er bemerkt als Erster, wenn wieder Jedi-Ritter im Anflug sein sollten.

Der Standard/Rondo/08/11/2001

-vorausgereist an die Drehorte des fünften "Krieg der Sterne"-Kino-Abenteuers, der im Sommer 2002 in die Kinos kommt- von Helge Sobik

Von Helge Sobik erscheint im März 2002 im Picus-Verlag ein Band mit Tunesien-Reportagen unter dem Titel "Die Flecken im Fell des Leoparden".

Infos: FVA Tunesien Wien, Tel. 01 / 585 34 80, www.tourism
tunisia.com
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