Marokko setzt auf Sonne und Windenergie

8. November 2001, 10:29
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Strategischer Plan zur Entwicklung erneuerbarer Energien soll Energieimport stoppen

Marrakesch - Das nordafrikanische Königreich Marokko, Gastgeber der soeben stattfindenden 7. Weltklimakonferenz, will binnen zehn Jahren seinen Anteil an erneuerbaren Energien vervierzigfachen.

Land muss heute noch 97 Prozent seines Energiebedarfs importieren

Das Land, das heute noch 97 Prozent seines Energiebedarfs importieren muss, setzt dabei vor allem auf seine 3.500 Kilometer lange Küste, die weltweit zu den für Windkraftanlagen geeignetsten Landstrichen gezählt wird. Obwohl auch die Sonneneinstrahlung ein ungeheures theoretisches Potenzial darstelle, werden mittelfristig nicht mehr als fünf bis sechs Prozent der grünen Energie aus dieser Quelle stammen, sagte Abdehanin Benallou, Direktor des Zentrums für erneuerbare Energien (CDER) am Mittwoch vor Journalisten.

Windenergie für die Stromproduktion

Heute tragen die erneuerbaren Energien mit 0,24 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs noch kaum etwas zur Energiebilanz des Landes bei, bis 2010 soll dieser Anteil auf zehn, bis 2020 auf beinahe 20 Prozent katapultiert werden. "Auf Basis der gegenwärtigen Technologie eignet sich fast nur die Windenergie für die Stromproduktion im großen Maßstab", meinte Benallou. 60 Prozent der für 2010 geplanten Produktion von "grünem Strom soll aus Windkraftwerken kommen.

Sonnenenergie wird nur kleine Rolle spielen

Die Sonnenenergie wird - folgt man den ehrgeizigen marokkanischen Plänen - eine quantitativ gesehen nur kleine Rolle spielen: Obwohl 2010 rund 400.000 Quadratmeter statt wie heute 35.000 Quadratmeter mit Sonnenkollektoren "gepflastert" sein sollen, erwartet man sich daraus nicht mehr als 5 Prozent der "grünen Energie". Dass aus Photovoltaikanlagen lediglich 0,8 Prozent erwartet werden, zeigt, dass Marokko nicht mit einer raschen Entwicklung dieser Technologie rechnet.

Dennoch ist der Photovoltaik eine strategische Rolle auf einem ganz bestimmten Feld zugedacht - bei der Elektrifizierung von 300.000 Haushalten in Siedlungen, die weitab von jedem Stromnetz liegen. Mit Photovoltaikanlagen, kleinen Wasserkraftanlagen und Windenergie sollen 1,5 Millionen Menschen in den ländlichen Gebieten genügend Strom erhalten, um dezentral in jedem Haushalt ein paar Glühbirnen und ein Fernsehgerät speisen zu können.

Noch diese Woche wird freilich auch der Startschuss für ein größeres Sonnenkraftprojekt fallen, an dem Belgien und Kuwait beteiligt sein werden, sagte Benallou. Es handelt sich um ein Kraftwerk südlich von Casablanca, das mit Solarzellen arbeitet und mit einem Bewässerungsprojekt verbunden sein soll.

Insgesamt hofft das energiearme Land, mit seinem "Strategischen Plan zur Entwicklung erneuerbarer Energien", die Abhängigkeit von Ölimporten um 12 Millionen Barrel pro Jahr zu verringern, 11.000 neue Jobs zu schaffen und last but not least seine rasch schwindenden Ressourcen an Holz besser schützen zu können. (APA)

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