Schweiz geht gegen mutmaßliche Terror- Finanzfirmen vor

7. November 2001, 20:29
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Regierung verbietet El Kaida Organisation

Lugano - Gegen die Tessiner Finanzgesellschaft Al Taqwa ist am Mittwoch eine internationale Polizeiaktion eingeleitet worden. Bei Hausdurchsuchungen in Muri bei Bern, Lugano, Campione d'Italia und Vaduz seien zahlreiche Akten beschlagnahmt worden, hieß es am Mittwoch in Rundfunkberichten. Zugleich verbot die Schweizer Regierung die Terrororganisation El Kaida. Es ist das erste Mal seit mehr als 50 Jahren, dass die Regierung in Bern eine Organisation verbietet. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren kommunistische und nationalsozialistische Gruppierungen untersagt worden.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft bestätigte Hausdurchsuchungen und Personen-Befragungen. Verhaftungen habe es nicht gegeben. Nähere Einzelheiten sollten am Donnerstag mitgeteilt werden.

In Lugano wurde der Ägypter Youssef Mustafa Nada, Präsident der Nada Management Organisation SA, verhört. Die Gesellschaft führte bis vor den Attentaten in den USA noch den Zusatz "Al Taqwa" in ihrem Namen und stand wiederholt im Verdacht, Verbindungen mit dem Terroristenführer Osama bin Laden und dessen Netzwerk El Kaida zu haben.

Freiwillig bei der Polizei gemeldet hat sich den Berichten zufolge der Ägypter Ali Ghaleb Himmat, Vizepräsident der Nada Management Organisation SA. Sein Haus in Campione d'Italia am Luganersee sei von der Polizei durchsucht worden.

Ein Rechtshilfegesuch der USA hatte die Polizeiaktion ausgelöst. Die Schweiz, Italien, Liechtenstein und die Bahamas waren am Mittwoch von den USA aufgefordert worden, die Vermögenswerte der Al-Taqwa-Gruppe zu blockieren. Die USA verdächtigen die Al Taqwa der Finanzierung von Bin Ladens Terroristengruppen.

In Liechtenstein werden zudem die Firmen Al Taqua Trade, Property and Industry Co. Ltd., und Asat Trust Reg. mit Sitz in Vaduz untersucht, wie die liechtensteinische Regierung mitteilte. Bisher hätten sich keine kriminellen Aktivitäten dieser Gesellschaften gefunden. Die Ermittlungen zusammen mit den schweizerischen Behörden liefen aber auf Hochdruck. Bei Vorliegen ausreichender Verdachtsmomente würden die Konten gesperrt.

Die Schweizer Justizministerin Ruth Metzler erklärte, bisher seien in der Schweiz keine Strukturen von El Kaida festgestellt worden. Es gebe keinen Anhaltspunkt, dass von der Schweiz aus ein Terrorismus-Netz aufgebaut werde. Das Verbot der Organisation habe deshalb präventive Wirkung und sei bis Ende 2003 befristet. (APA/dpa/sda)

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