Ökologen entwickeln Habitat für Marssiedler

7. November 2001, 20:13
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Erfahrungen mit "Biosphere 2" werden dafür genutzt - Gerüchte über Hunger in der Station waren "böswillig gestreut"

Wien - "Gehungert haben wir nicht in ,Biosphere 2'", versichern John Allen, Abigail Alling und Mark von Thillo dem STANDARD, "unsere Landwirtschaft hat uns gut ernährt. Deshalb entwickeln wir für die Nasa das System jetzt weiter zu einem Habitat, das Menschen auf Raumreisen und auf dem Mars versorgen soll."

"Biosphere 2" war ein einzigartiges Experiment, in dem 1991 in einem riesigen Glashaus in Arizona "Biosphere 1" - die Erde - simuliert wurde. Verschiedenste Ökosysteme wurden kombiniert, von der Wüste über ein Korallenriff und bis zu einer Agrarfläche zwecks Ernährung der acht Bewohner. Das Ganze war ein geschlossenes System, das sich völlig unabhängig von der Außenwelt durch das natürliche Recycling von Wasser, Luft und Nährstoffen im Gleichgewicht halten sollte.

Es hielt nicht, es gab Gerüchte über Hunger in der Station. "Die waren böswillig gestreut", dementieren die damaligen Mitbewohner, konzedieren aber Probleme mit der Luft: Die Gehalte an CO stiegen stark, die an Sauerstoff fielen. "Dadurch haben wir gelernt, dass man auch mit 17 Prozent Sauerstoff in der Luft - statt der normalen 21 - gut auskommt", wenden die drei ihre Erfahrung ins Positive, "das macht uns die Arbeit am jetzigen Projekt leichter."

Das ist ein kleineres System, das vier Raumfahrer oder auch Marssiedler rundum versorgen soll. Die Herausforderungen sind groß, etwa bei der Energie: "Biosphere 2" nahm sie aus einfallendem Sonnenlicht. Aber es gibt kein durchsichtiges Material, das den Marsbedingungen standhält. Trotzdem soll bis 2005 der erste Prototyp auf der Erde stehen, 2020 soll alles bereit sein für den Flug zum Mars. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 11. 2001)

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