Praxistag auf der Psychiatrie für Polizisten

7. November 2001, 19:21
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Seminar "Umgang mit psychisch Kranken"

Wien - "Bitte anhalten - Verkehrskontrolle. Sie sind zu schnell gefahren." Der an sich harmlose, von Polizisten täglich gesagte Satz kann unberechenbare Folgen haben: Der Angehaltene rastet aus. "Was sollen wir dann tun, um die Situation nicht eskalieren zu lassen? Hinter jeder Person, zu der wir gerufen werden, könnte sich eine psychische gestörte Persönlichkeit verstecken", berichtet Friedrich Kovar von der Wiener Polizei aus dem Alltag.

Mittlerweile haben er und 350 seiner Kollegen etwas gegen diese Hilflosigkeit getan: Sie haben das Seminar "Umgang mit psychisch Kranken" belegt, das eigens für Polizeikräfte in Zusammenarbeit mit Psychiatern, Beratern und sogar Betroffenen, die etwa im Sozialmedizinischen Zentrum auf der Baumgartner Höhe betreut werden, eingerichtet wurde.

Das bisher nur für Wiener "Kieberer" angebotene Seminar wurde jetzt ins Ausbildungsprogramm der Bundessicherheitsakademie aufgenommen, um Wichtiges über psychische Erkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten, rechtliche Grundlagen und den Umgang mit Angehörigen zu vermitteln.

Die Spezialität des Kurses: Polizisten verbringen neuerdings einen Tag in einer Abteilung für psychisch Kranke - ein Polizist pro Station, damit der Kontakt mit Patienten intensiv miterlebt wird.

Kovar gesteht, dass viele seiner Kollegen überfordert seien, wenn sie emotionell höchst erregte Personen "richtig" zu behandeln hätten. "Da versuchen wir anhand von realen Fallbeispielen, ihnen Handlungsweisen zu vermitteln", erklärt Harald David, Leiter der Abteilung für Alkoholkranke das Konzept. (aw/DER STANDARD, Print, 8.11.2001)

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