Sich trauen, lernen und gut vermarkten

7. November 2001, 19:05
posten

Nicht als blinde Passagiere, sondern erster Klasse erlernen Frauen IT-Berufe

Das Häufige ist nicht immer das Beste, meint Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des Vereins abzwien.Chancen für Frauen - Chancen für die Wirtschaft. Und so hat sie gegen Callcenterjobs als "Möglichkeit der Erwerbstätigkeit für Frauen" nichts einzuwenden. Der weibliche Anteil an den modernen Arbeitswelten müsse jedoch über einfaches Telefonieren und Befehle am PC eingeben hinausgehen, ist sie überzeugt.

"Wir sagen Nein", betont sie. Callcenters, und mögen sie auch boomen, böten im Bereich der Kundenkontakte "keine informationstechnologischen (IT-) Arbeitsplätze". Dass viele im IT-Bereich tätige Frauen genau in diesem Sektor gelandet seien, liege "am Gendergap", der in Einkommen und Prestige messbaren unterschiedlichen Bewertung von Männer- und Frauenarbeit in der Gesellschaft.

Dieser Abstand müsse so gering wie möglich gehalten werden, erläutert Vollmann als abzwien-Leiterin, eines Non-Profit-Unternehmens, das sich seit den Anfängen 1992 am Wiener Schöpfwerk genau dieses Ziel gesteckt hat. Der "Technologiezug", die rasche Weiterentwicklung in der Kommunikationstechnologie, brauche Frauen als vollwertig Mitreisende. Im Unterschied zu früheren technischen Neuerungen, die stets den Mann in den Mittelpunkt gestellt hätten, sei es als Zugführer, Flugzeugpilot oder Autofahrer.

Heute, in Zeiten der Gleichstellung vor dem Gesetz, führe der Weg zu besser qualifizierten IT-Jobs für Frauen über "Qualifikation, Beratung und passende Kursangebote". Eine Kombination, die im Rahmen des abzwien.technologiemanagement gleich in mehreren Projekten angeboten wird.

Praktika "on the job"

Im abzwien.technomediacenter zum Beispiel, das seit 1997 pro Kursdurchgang erst zwölf, nun 20 Frauen zu Netzwerkadministratorinnen und Datenbankorganisatorinnen ausbildet. Dabei ist Praxisbezug Trumpf, und zwar in Gestalt eines mehrmonatigen Praktikums in einem großen Unternehmen wie der Generali Gruppe oder Siemens. Die Kursteilnehmerinnen werden beim Verein abzwien auf Kosten des Arbeitsmarktservices (AMS) für ein Jahr befristet angestellt.

Oder im abzwien.come2technology, einer acht Wochen dauernden Informations- und Kommunikationstechnologie-Orientierung für Frauen. 400 Teilnehmerinnen pro Jahr soll hier "die Scheu vor der Technik genommen" werden - das AMS finanziert. Während das Projekt abzwien.women@web alle drei Monate den Standort wechselt, quer durch ganz Wien.

Auch Kinderbetreuung wird dabei angeboten, führt Vollmann aus, eine "notwendige Rahmenbedingung" für frauenfreundliche Bildungsmaßnahmen, wie sie bei abzwien.webdeve- lopment definiert worden sei.

Und noch etwas. Um später bei der Jobsuche und im Betrieb nicht abgehängt zu werden, müssten Frauen "neben dem Fachwissen" noch etwas mitbringen. "Technische Kenntnisse allein sind nicht mehr ausreichend, neben dem Fachwissen sind Soft Skills und zunehmend auch Management-Skills gefragt", führen die abzwien-Frauen in einer Selbstbeschreibung aus.

Damit gemeint sind Fähigkeiten, Kenntnisse auf professionelle Weise zu vermarkten. Erfolgversprechend und finanziell lohnend, nicht wie im Callcenter, wo oft "die kommunikativen Fähigkeiten der Frauen billig ausgebeutet" würden. (bri) - DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 8.11.2001

Share if you care.