Roter Sparstift regiert von Springer bis zur "Irish Times"

7. November 2001, 23:06
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Deutsche Analysten sehen Wende schon 2002

Trotz aller Meldungen über drastische Sparmaßnahmen vom Verlagsriesen Springer abwärts fand das Münchner Branchenblatt werben & verkaufen Optimisten für die nähere kommerzielle Zukunft der Printbranche. Eine rare Spezies bleiben sie.

Ende November will das Düsseldorfer Bankhaus HSBC Trinkaus und Burkhardt eine Studie namens "Der deutsche Medienmarkt" veröffentlichen. Zwar gehen auch deren Analysten von 6,6 Prozent Werbeminus der deutschen Verlage aus (andere Prognosen sprechen von 7,6 Prozent). Aber schon 2002 werde das Wachstum wieder netto 2,3 Prozent betragen, meint man in der Bank.

Echte Besserung erst 2003?

Ein Rundruf des deutschen Branchenblatts sagt anderes: Konzerne wie Bauer und die Verlagsgruppen Handelsblatt und Milchstraße glauben erst an eine echte Besserung mit 2003. Und die Unternehmensberater der Boston Consulting Group meinen: "Größerer Optimismus erscheint in Anbetracht des fehlenden Vertrauens in die Märkte nach dem 11. September unrealistisch." Nachsatz von deren Geschäftsführer Gerhard Kebbel: "Wenn die Umsätze weiter in diesem Maße ausbleiben, stehen möglicherweise noch drastischere Maßnahmen bevor."

Zehn Prozent der Jobs bei Springer gekürzt

Springer kürzt wie berichtet zehn Prozent seiner 14.000 Jobs, die Handelsblatt-Gruppe bis zu 150 Stellen. Zuletzt schloss auch die Muttergesellschaft der österreichischen News-Gruppe, der Hamburger Magazinriese Gruner+Jahr Kündigungen nicht mehr aus, bei einzelnen Titeln wie Capital gab es sie schon. Gerade bestätigt auch die Frankfurter Rundschau Personalabbau.

Für Österreich konstatierte die Branchenzeitung medianet: "Nahezu alle heimischen Tageszeitungen haben den Rotstift ansetzen müssen." Auch Presse-Geschäftsführerin Angela Fritz erklärt dort nun, "Maßnahmen werden derzeit im Haus diskutiert".

Deutlich weiter ist man anderswo in Europa: Die Irish Times streicht fast ein Drittel ihrer Jobs. (red, dpa,APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 8.11.2001)

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