Ex-ÖBB-Chef Draxler als Feuerwehr für RHI

9. November 2001, 13:26
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Obermeier geht und berät den Aufsichtsrat

Wien - Der Feuerfestkonzern RHI bekommt nun einen Feuerlöscher: Helmut Draxler, langjähriger Chef der ÖBB, wird ab Mitte Jänner an der Spitze der RHI stehen. Der bisherige Vorstandschef Georg Obermeier muss gehen, hat der Aufsichtsrat am Donnerstag bei einer außerordentlicher Sitzung beschlossen. Die Trennung sei einvernehmlich, so das Unternehmen in einer Mitteilung. Obermeier werde dem Aufsichtsrat künftig als Berater zur Verfügung stehen.

Eduard Zehetner, zuletzt Chef bei Jet2Web Internet, Online-Tochter der Telekom Austria, wird neuer Finanzvorstand. Andreas Meier und Roland Platzer bleiben im Vorstand. Bis Draxlers Antritt ist Meier Vorstandssprecher.

Schwierige Geschäftssituation

Die Ablöse Obermeiers hängt mit der schwierigen Geschäftssituation des Weltmarktführers im Feuerfestbereich zusammen. Seit Jahresbeginn hatte die RHI-Aktie 55 Prozent verloren. Am Donnerstag legte das Papier bis zum späten Nachmittag um über 18 Prozent zu.

Hinter dem schwindenden Aktienkurs stand nicht zuletzt das eingebrochene Geschäft in den USA, wo RHI rund 40 Prozent des Umsatzes erzielt. Altfirmenchef Hellmut Longin hat wie viele andere Aktionäre beim schwindenden Börsenkurs der RHI-Aktie einiges Geld lassen müssen. Longin zeigte sich enttäuscht: "Man hat zwei gute Jahre vermurkst, in denen man hätte Gewinne schreiben können."

Schützende Hand

Das dürfte wohl auch die Großaktionäre dazu bewogen haben, dem Bayern das Ruder aus der Hand zu nehmen. Ein Investor aber legt seine schützende Hand über Obermeier. Rupert-Heinrich Staller, ein größerer RHI-Aktionär, sagte dem STANDARD: "Ich habe Informationen, dass Großaktionäre des Unternehmens, allen voran die Gruppe um den Münchner Industriellen August von Finck und die E.ON sowie mehrere Banken, die bekanntermaßen große Kreditgeber sind, intensiv über neue Eigentümerstrukturen nachdenken." Dabei seien allen voran den Banken das Aktionärswohl und wohl auch das Wohl des Unternehmens zweitrangig gegenüber ihren Forderungen.

Andererseits bringt Staller "bei den Bankverbindlichkeiten im Wert von einer Mrd. Euro ein gewisses Verständnis für die Haltung der Banken auf. Für ihn wäre Obermeier ein Garant dafür gewesen, dass die Gesellschaft "im weitesten Sinne von den Banken unabhängig restrukuriert und saniert werden kann. Jetzt ist die Gesellschaft den Banken zur Gänze ausgeliefert." (este, DER STANDARD, Printausgabe 9.11.2001)

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