Europäische Fluggesellschaften im Strudel der Terror-Anschläge

7. November 2001, 17:04
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Hamburg - Neben den großen US-Fluggesellschaften ist auch der europäische Luftverkehr in den Strudel der Terror-Anschläge vom 11. September geraten. Drastische Buchungseinbrüche, Kosten für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und höhere Versicherungsprämien haben bei vielen Unternehmen zu drastischen Umstrukturierungen geführt. Flugverbindungen wurden eingestellt, Stellenstreichungen und Entlassungen angekündigt oder vollzogen und Pläne geändert.

  • Jüngstes Beispiel für die Probleme der Branche ist die belgische Fluggesellschaft Sabena, die am Mittwoch Konkurs anmeldete. Die 12.000 Beschäftigten wurden aufgefordert zu Hause zu bleiben.
  • Die Lufthansa hat 43 Flugzeuge - 13 Prozent der Passagierflotte - stillgelegt. Ohne neue Maßnahmen zur Kostensenkung wurden betriebsbedingte Kündigungen und Kurzarbeit in Aussicht gestellt.
  • Für 4.500 Mitarbeiter der zusammengebrochenen Swissair war am 31. Oktober der letzte Arbeitstag. Insgesamt sollen weltweit 9000 von mehr als 70.000 Arbeitsplätze abgebaut werden.
  • British Airways steht vor dem ersten Verlustjahr seit der Privatisierung 1987 und will 7.000 der weltweit 62.000 Arbeitsplätze streichen. Der britische Konkurrent Virgin Atlantic des Unternehmers Richard Branson hat die Streichung von 1.200 der insgesamt 9.000 Stellen angekündigt.
  • Die polnische Fluglinie LOT will nach Gewerkschaftsangaben mehr als 800 Mitarbeiter entlassen - fast ein Fünftel der Belegschaft. Unternehmenssprecher Leszek Chorzewski bezeichnete die Zahl von 800 Entlassungen als die maximal mögliche.
  • Die spanische Fluggesellschaft Iberia plant Kündigungen, von denen mehr als 6.000 Mitarbeiter betroffen sein könnten. Auslaufende Verträge von 3.170 Mitarbeitern sollen nicht verlängert, etwa 3.000 Angestellte - fast zehn Prozent der gesamten Mitarbeiterzahl von 29.000 - sollten abgebaut werden.
  • Die niederländische KLM will die Beförderungskapazität um 15 Prozent kürzen, Kurzarbeit für 14.400 Mitarbeiter einführen und 2.500 Stellen streichen.
  • Die skandinavische SAS will die Flugtätigkeit um 12 Prozent reduzieren und kündigte damit verbunden die Streichung von 2.500 der 31.000 Stellen an.
  • Die italienische Alitalia plant 2.500 Stellenstreichungen und erwägt den Verkauf einiger Flugzeuge.
  • Die österreichische Austrian Airlines (AUA) muss mindestens 850 Mitarbeiter abbauen, um die Terrorfolgen abzufedern und die schwierige Gesamtsituation des Unternehmens in den Griff zu bekommen. Die in Turbulenzen geratene Airline will kommende Woche ihren neuen Umstrukturierungsplan bekannt geben.
  • Die Turkish Airlines wollen 800 Stellen streichen und die Flotte verkleinern.
  • Air France ist nach eigenen Angaben trotz Verlusten im Gegensatz zu anderen Gesellschaften nicht gefährdet, will aber ebenfalls den Flugplan kürzen, Maschinen außer Betrieb nehmen und Einstellungen stoppen. (APA)
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