Warnung vor 50-prozentigem Wachstum der Weltbevölkerung bis 2050

7. November 2001, 14:09
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Indien, China, Pakistan, Nigeria, Bangladesch und Indonesien sind für die Hälfte der Zuwächse verantwortlich

Wien - Die Weltbevölkerung wird von Mitte 2001 bis zum Jahr 2050 voraussichtlich um 50 Prozent wachsen: von 6,1 auf 9,3 Milliarden Menschen. Dabei wird sich laut UNO die Anzahl der Menschen in den 49 am wenigsten entwickelten Ländern von 668 Millionen auf 1,86 Milliarden fast verdreifachen. Die Umwelt kann mit dieser Entwicklung nicht mithalten, warnen die Vereinten Nationen anlässlich der Veröffentlichung des Weltbevölkerungsberichts 2001.

Neben der hohen Fertilität in den ärmsten Ländern sorgen teils "hausgemachte" Probleme wie Wasserknappheit und Bodenerosion dafür, dass mehr als Hälfte der Menschheit immer noch von weniger als zwei Dollar (30,7 S) pro Tag leben muss. 800 Millionen Menschen leiden an chronischer Unterernährung, weitere zwei Milliarden sind mit einer unsicheren Ernährungslage konfrontiert. "Die Nahrungsmittelproduktion muss in den nächsten 35 Jahren verdoppelt werden", sagte Erik Palstra vom UNO-Bevölkerungsfonds heute, Mittwoch, bei der Präsentation des Weltbevölkerungsberichts in Wien.

Sechs Länder

Die Hälfte des jährliches Wachstums der Weltbevölkerung um 1,3 Prozent bzw. 77 Millionen Menschen entfällt auf nur sechs Länder: Indien (mit einem Anteil von 21 Prozent), China, Pakistan, Nigeria, Bangladesch und Indonesien. Das gesamte von der UNO vorausgesagte Wachstum wird in den heutigen Entwicklungsländern stattfinden, wo im Jahr 2050 mehr als 85 Prozent aller Menschen leben werden.

Frauen komme bei der Armutsbekämpfung eine wesentliche Rolle zu, betonten Vertreter der österreichischen Parlamentsparteien bei der Pressekonferenz, die entwicklungspolitische Sprecherin der SPÖ, Inge Jäger, ÖVP-Menschenrechtssprecher Matthias Ellmauer und seine Grüne Kollegin Terezija Stoisits sowie FPÖ-Entwicklungshilfe-Sprecher Gerhard Fallent. Pro Minute werden weltweit 380 Frauen schwanger - die Hälfte davon ungewollt, sagte Palstra.

Die Umsetzung von Hilfskonzepten, etwa des 1994 auf der Internationalen Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung in Kairo beschlossenen "Empowerment", ist in Gefahr, weil die Industrieländer ihre zugesagten Beiträge nicht leisten. "Empowerment" meint den Zugang zu Bildung, Arbeit- und Einkommensmöglichkeiten für Frauen und selbstbestimmte Kontrolle ihrer Fortpflanzung. Österreich als drittreichstes Land der EU liege mit seinen Ausgaben für die Entwicklungshilfe mit 0,26 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 0,33 Prozent und insgesamt nur vor Italien an 15. Stelle, erinnerte Jäger. Im Entwicklungszusammenarbeitsgesetz, das demnächst ins Parlament eingebracht wird, seien keine Regelungen über die finanzielle Hilfe enthalten. (APA)

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