Banken vernetzen Kundendaten mit Telekom-Unternehmen

7. November 2001, 13:47
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AT Kearney: Höhere Verkaufseffizienz

Wien - Auch österreichische Banken haben zunehmend mit Ertragsproblemen zu kämpfen. Die Institute müssten hohen Vertriebskosten und sinkenden Profiten mit der Konzentration auf profitable Kundensegmente, profitable Produktbündel und einer gesteigerten Verkaufseffizienz begegnen, sagten Experten des Unternehmensberaters A.T. Kearney am Mittwoch in Wien. Einen Ausweg könnte die bereits sich abzeichnende engere Zusammenarbeit der Banken mit Telekom-Unternehmen darstellen, meinen die Unternehmensberater.

"Niemand hat so hervorragende Kundendaten wie die Telekom-Unternehmen", weiß Robert Kremlicka, der Managing Director von A.T. Kearney Österreich. Insbesondere über neue Anwendungen wie mobiles "M-Banking" über das Handy oder Internet könnten "Telkos" detaillierte Daten über ihre Kunden ansammeln, die auch den Privatbereich umfassen. So lässt sich etwa feststellen, welche Einkaufsgewohnheiten ein M-Kunde hat, ob er gern ins Theater oder zu Sportveranstaltungen geht, wieviele Finanztransaktionen er vornimmt und wie er seine Wochenenden verbringt.

Heikles Thema Datenschutz

Der Datenschutz sei in diesem Zusammenhang ein heikles Thema, doch manche Kunden wüßten die Vernetzung durchaus zu schätzen: "In den USA haben 100.000 Personen Usernamen und Passwort zur Verfügung gestellt, um alle ihre Konten auf einer Seite aufgelistet zu haben", sagte Kearney-Senior Manager Stefan Klestil. Viele Kunden wollten zudem nicht wahllos mit Angeboten "zugeschüttet" werden, sondern maßgeschneiderte Informationen erhalten. Dafür seien sie bereit, gewisse Informationen zur Verfügung zu stellen.

"Costumer ownership"

Für Banken seien diese Kundendaten enorm interessant, sie könnten im Gegenzug den Telekombetreibern Informationen anbieten. Bei den derzeitigen Kontakten zwischen Banken, Telkos und Handelsunternehmen zeichne sich bereits ein Kampf um jeden Kunden ab. "Costumer ownership heißt das Schlagwort", sagte Kremlicka.

E-Banking

E-Banking habe nicht einfach die Erträge erhöht, sondern in erster Linie die Vertriebskosten im Retailbankenbereich in die Höhe getrieben, so ein Ergebnis der Untersuchung von A.T. Kearney. Die Ertragshoffnungen hätten sich oft nicht erfüllt. E-Banking setze Anfangsinvestitionen von 150 bis 200 Mill. S (bis 14,5 Mill. Euro) voraus, pro Depot sei mit Akquisitionskosten bis zu 7.000 S zu rechnen, zeigten die Beispiele in Deutschland und den USA. Die Erträge seien demgegenüber relativ gering.

Trotz E-Banking wollten viele Kunden nicht auf den Kontakt mit ihrer Filiale oder einem "Live Call Center" verzichten. Das Ergebnis: Die Filialkosten sinken kaum, rasant höhere Kosten durch Call Center kommen dazu. "Die Vertriebskosten der Retailbanken haben sich in Österreich seit 1992 um 40 Prozent erhöht", so Klestil. Die höchsten Zusatzkosten stammten aus den Ausgaben für Call Center, Internet, Bankomat und Mobile Banking. (APA)

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