"Multiple Choice"- Kinder und Medien

7. November 2001, 15:16
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Angebotsvielfalt erfordert Medienkompetenz - Symposium über Kindermedien

"Am Dam Des"-Tanten, Heidi und Pinocchio: Es gab eine Zeit, da waren sie die Helden der Kinder vor den österreichischen Fernsehschirmen - und sie waren die einzigen Helden. Warteten die kindlichen Medienkonsumenten früher ungeduldig auf das einstündige ORF-Kinderprogramm, haben sie heute die Qual der Wahl: Ein Großteil der heimischen Haushalte kann mehr als 30 Fernsehkanäle empfangen, viele von ihnen bieten tagsüber spezielles Programm für die junge Zielgruppe an. Wie die Adressaten mit dieser "Multiple Choice" umgehen, stand am Mittwoch im Mittelpunkt eines Symposiums, das der ORF gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt (Kunstsektion) und dem Institut für Jugendliteratur veranstaltete.

Fernsehen bekommt Konkurrenz

Das Fernsehen ist darüber hinaus längst nicht das einzige Medium, dessen sich Kinder bedienen können, wie Andreas Vana, Hauptabteilungsleiter des ORF-Ressorts "Kinder, Jugend und Familie", in seinem Eingangsstatement betonte. Der PC hat Einzug in die Kinderzimmer gehalten, Spielekonsolen wie die Playstation gehören zum Alltag.

Verändert haben sich nicht nur die medialen Inhalte und die Darstellungs- und Erzählformen, sondern auch die Funktion. Die verschiedenen Medien spezialisieren sich und bedienen unterschiedliche Bedürfnisse. Von den Konsumenten ist damit zugleich Kompetenz im Umgang mit den Angeboten gefordert.

Medienkompetenz beginnt beim Wissen um Angebote

Der oft bemühte Begriff der "Medienkompetenz" war daher Gegenstand einiger Referate. "Medienkompetenz beginnt nicht erst beim fachkundigen Medienkonsum, sondern bereits beim Wissen um das Angebot", betonte etwa Robert Buchschwenter von der Abteilung für elektronische Medien der Bücherei Wien.

Die Kommunikationswissenschafterin Margit Böck verwies wiederum auf die unterschiedlichen Ansprüche, die von Kindern und Erwachsenen an "Kindermedien" gestellt würden: Kinder definierten ihren Medienkonsum oft mit "einfach nur Spaß haben", für Erwachsene spiele ein pädagogischer Mehrwert eine tragende Rolle.

Sich schnell wandelnde Medienlandschaft

Wie schnell sich die Medienlandschaft für Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahren verändert hat, zeigte schließlich auch der Titel der Tagung. "Multiple Choice" war als Nachfolgesymposium zur 1994 veranstalteten Konferenz "Konfliktfeld Fernsehen - Lesen" angesetzt. Von einem gesondert zu betrachtenden "Spannungsverhältnis" zwischen Fernsehen und Lesen aber wurde angesichts der heutigen Angebotsfülle von den meisten Referenten am Mittwoch gar nicht mehr ausgegangen. (APA)

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