EU-Osterweiterung: Zuwanderung bringt Wachstum

7. November 2001, 11:55
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Wifo-Studie: 41.000 bis 680.000 EU-Zuwanderer pro Jahr

Wien - Zuwanderung hat gesamtwirtschaftliche Vorteile und führt zu mehr Wachstum und Wohlfahrtsgewinn. Allerdings kommen diese Vorteile nicht allen Bevölkerungsgruppen zu gute. Dies ergab ein Teilprojekt der jüngste Wifo-Studie Preparity über die Vorbereitung auf die EU-Osterweiterung.

Nach verschiedenen Schätzungen umfasst das Migrationspotenzial aus den mittel- und osteuropäischen Ländern (MOEL) in die gesamte EU eine Bandbreite von 41.000 bis 680.000 Zuwanderern pro Jahr. Übereinstimmend werden diese Schätzungen als zu ungenau bezeichnet, um abschließende Aussagen zuzulassen. Ein Großteil der Zuwanderung aus den MOEL (77 Prozent) wird auf Österreich und Deutschland entfallen. Auch das Potenzial der grenzüberschreitenden Pendlerströme im Gefolge der EU-Osterweiterung wird von den vorliegenden Untersuchungen recht unterschiedlich eingeschätzt. In der vorliegenden Preparity-Studie wurde unter der Annahme einer EU-Erweiterung ohne Übergangsfristen ein Potenzial von rund 85.000 Tagespendlern nach Österreich ermittelt.

Hochqualifizierte Zuwanderer sind die Profiteure

Zuwanderer aus den MOEL sind besser ausgebildet als jene aus den traditionellen "Gastarbeiterländern". Die zuwandernden MOEL-Staatsbürger verfügen vor allem über Lehrabschluss und werden häufiger in Dienstleistungsberufen sowie in höher qualifizierten Berufen und seltener als Hilfskräfte eingesetzt als andere ausländische Arbeitskräfte. Generell profitieren hochqualifizierte Arbeitskräfte von der Zuwanderung von geringer qualifizierten Arbeitskräften, während gering qualifizierte Arbeitskräfte durch Zuwanderung unter zunehmenden Konkurrenzdruck geraten. Für Männer ist Zuwanderung vor allem mit einem langsameren Lohnwachstum der Arbeiter verbunden, während das Lohnwachstum der Angestellten auf solche Veränderungen kaum reagiert. Unter den Frauen erleiden vor allem immobile Arbeitskräfte Lohneinbußen. Für Männer wie Frauen im obersten Einkommensviertel beschleunigt sich bei einer verstärkten Zuwanderung das Lohnwachstum, während sich der Anstieg von Löhnen und Gehältern der Männer und Frauen im untersten Einkommensquartal verlangsamt.

Effekt der Zuwanderung: Risiko zur Arbeitslosigkeit erhöht

Das Arbeitslosenrisiko von Männern und Frauen wird durch Zuwanderung stärker beeinflusst als das Wachstum der Löhne. Vor allem für Arbeiter erhöht Zuwanderung das Risiko, den Arbeitsplatz zu verlieren. Der Übergang aller anderen Gruppen in die Arbeitslosigkeit hat sehr heterogene Gründe. Neu zuwandernde Arbeitskräfte aus den MOEL treten dabei in erster Linie mit alteingesessenen ausländischen Arbeitskräften in Konkurrenz. Ein Konkurrenzverhältnis besteht zudem gegenüber inländischen Arbeitern.

Migrationspolitik

Wie in den meisten Ländern bevorzugen Zuwanderer in Österreich Siedlungsregionen. Die Ergebnisse der Analysen unterstützen zunächst die Forderung nach Wahrung der Kontrolle über die Zuwanderung. Durch eine entsprechende Kontrolle der Zuwanderung kann eine gleichmäßigere Verteilung der Migranten über Regionen erzielt werden und Sicherheit in den Erweiterungsprozess induziert werden. Dieser Forderung wurde durch die Festlegung auf defensive Maßnahmen (Übergangsfrist) entsprochen.

Um die Chancen der Migrationspolitik in der Phase der Übergangsregelungen optimal zu nutzen und einen möglichst großen Beitrag zur schrittweisen Reduktion der Migrationspotenziale zu leisten, empfiehlt es sich, die Zuwanderung aus den MOEL quantitativ großzügig, aber qualitativ selektiv zu gestalten. Die Integration von permanenten Migranten sollte stärker gefördert, die Einhaltung der kollektivvertraglichen sowie arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen verstärkt kontrolliert werden. Über eine entsprechende Politik muss die Ursache des Migrationspotenzials - nämlich die Einkommensdifferentiale zwischen den MOEL und Österreich - verringert werden. (APA)

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