Sotheby's tröstet sich mit Rekord-Pisarro

8. November 2001, 23:49
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Liegen blieb ein Drittel der Impressionisten

New York - Ein Werk des französischen Impressionisten Camille Pissarro hat bei den New Yorker Herbstauktionen für Impressionisten und moderne Kunst einen Rekordpreis erzielt: Über 6,6 Millionen Dollar (100 Mill. S) zahlte ein Bieter für "La Rue Saint-Lazare" aus dem Jahre 1893, teilte das Auktionshaus Sotheby's am Mittwochabend mit. Der Preis für die Pariser Stadtszene in der Nähe von Gare Saint- Lazare liegt fast das Doppelte über dem früheren Spitzenpreis für ein Pissarro-Werk von 3,9 Millionen Dollar.

Insgesamt 233 Millionen Dollar wurden bei den Angeboten des Auktionsaus Sotheby's bei den diesjährigen Herbstauktionen für Impressionisten und moderne Kunst erzielt. Der Umsatz lag unter den unteren und oberen Gesamtschätzpreis von 38 bis 52 Millionen Dollar. Ein Drittel der Lose blieben ohne Käufer. In den beiden Auktionshäusern Phillips und Christie's waren in beiden Tagen zuvor rund 198 Millionen Dollar umgesetzt worden.

Zu den weiteren Höhepunkten der Auktion bei Sotheby's gehören das Werk "Anemones au Miroir Noir" von Matisse, für das ein Bieter 4,1 Millionen Dollar zahlte. Die Skulptur "Le Baiser" von Rodin war das einzige unter den Top-Losen, das mit 2,4 Millionen Dollar über dem geschätzten Wert von 1,8 Millionen Dollar lag.

Zu den unverkauften Losen gehörten Werke von Picasso, Bonnard and Maillol. Auch Marcel Duchamps Papierarbeit "Nu Descendant un Escalier" fand keinen Käufer.

Leger und Miro waren Stars, Klimt blieb liegen

New York - In den herbstlichen Auktionsreigen von New York stieg - mit Impressionisten und klassische Moderne im Rockefeller Center - Christie's am Dienstag ein.

Nicht verkauft wurde allerdings das Spitzenlos des Abends. Gustav Klimts "Bauernhaus mit Birken" von 1900, das im Frühjahr von der Österreichischen Galerie an die Erben nach den österreichischen Kunstsammler Georg Lasus zurückgegeben war, erreichte bei einem Schätzpreis von fünf bis sieben Millionen Dollar nicht das Limit.

UNICEF als beglückter Erbe

Die Versteigerung von 25 Losen Moderner und Surrealistischer Kunst hat das UN-Kinderhilfswerk UNICEF um 73,3 Millionen Dollar (etwa 1,1 Mrd. S) bereichert. Dabei ging es um die ursprünglich auf 40 Millionen Dollar geschätzten Reste der Sammlung des Belgiers Rene Gaffe und seiner Frau Jeanne, die zu den zu den eifrigsten Kennern Moderner Kunst gezählt werden.

Etliche Werke aus der ursprünglichen Sammlung sind heute in Museen in aller Welt zu sehen. Gaffes Witwe sagte UNICEF den Erlös aus dem Verkauf der verbliebenen Werke nach ihrem Tode zu. Sie starb im vergangenen Oktober.

Christie' s teilte mit, alle Lose wurden in der Nacht zum Mittwoch versteigert. Fernand Legers monumentales Gemälde "Le Moteur" aus dem Jahr 1918 brachte den Höchstpreis des Abends und einen Rekord für Leger ein: 16,7 Millionen Dollar (etwa 250 Mill. S). Joan Miros "Portrait de Mme K" (1924) verkaufte sich für 12,6 Millionen Dollar (190 Mill. S). Es errang den zweithöchsten Preis der Auktion und gleichzeitig einen neuen Rekordpreis für den Künstler - knapp vor Miros "Paysage sur les bords du fleuve Amour" von 1927 mit 11 Millionen Dollar. Miros "Danseuse espagnole" kam auf 8,9 Millionen Dollar. Ein Frauenkopf (1909) von Pablo Picasso wurde um 4,956 Millionen Dollar (Schätzpreis 2,5 - 3,5 Mio Dollar) verkauft - Preisrekord für eine Picasso-Skulptur.

Aus "New Yorker Morgen" wurde "Kunst für Amerika"

Wie am Dienstag bekannt wurde, werden unter anderen Sotheby's, Christie's und Phillips erstmalig gemeinsam auf der Auktion "Kunst für Amerika" am 26. November zu Gunsten des Opfer-Fonds agieren. "'Kunst für Amerika' personifiziert den Geist der Einigkeit, den New Yorker und Amerikaner während dieses Anschlages erfahren haben", sagte die Chefin der New Yorker Touristeninformation, Cristyne Nicholas.

Für die Auktion sind unter anderem Werke von Pablo Picasso und Christo gestiftet worden - neben Stücke aus den Privatsammlungen von Prominenten wie Elizabeth Taylor, Michael Douglas, Michael Jackson oder Tom Hanks.

Die Idee für die Auktion stammt von dem Museum der Stadt New York und dem Künstler Tom Christopher, der sein Gemälde "New Yorker Morgen" für die Opfer des Anschlags am 11. September in New York stiften wollte. Die Marketing Firma New World griff die Idee auf und schlug vor, mehr Künstler und Auktionshäuser einzubinden.

Schieles "Haus mit trocknender Wäsche"

Mit dem Höchstpreis für Egon Schieles Ölgemälde "Haus mit trocknender Wäsche", für das ein namentlich nicht genannter Käufer 9,9 Millionen Dollar (etwa 150 Mill. S) - einschließlich Kommission - zahlte, waren die New Yorker Herbstauktionen allen Befürchtungen zum Trotz vielversprechend gestartet. Angeboten wurden Werke aus dem Impressionismus, der Modernen und der Zeitgenössischen Kunst.

Doch das neue New Yorker Auktionshaus Phillips, de Pury & Luxembourg erreichte zum Auftakt der insgesamt viertägigen Auktionsrunde sein Ziel, teilte eine Sprecherin am Dienstag mit. Es verkaufte Gemälde und Skulpturen aus der Sammlung von Nathan und Marion Smooke (Los Angeles) für rund 86,2 Millionen Dollar (etwa 1,3 Mrd. S). Der Schätzpreis hatte bei 80 bis 115 Millionen Dollar gelegen. Den Wert von Schieles "Haus mit trocknender Wäsche" hatte Phillips mit acht bis zwölf Millionen angegeben. Dagegen blieb eine etwa gleichwertige Skulptur von Edgar Degas, "Petite Danseuse de quatorze ans" (Kleine Tänzerin im Alter von 14 Jahren) unverkauft.

Amedeo Modiglianis "Almeisa" fand für 7,25 Millionen Dollar (Schätzpreis sechs bis acht Millionen) einen Interessenten, und Fernand Legers "Les quatre constructeurs sur fond jaune" erhielt den Zuschlag bei 5,7 Millionen Dollar, deutlich über dem geschätzten Höchstwert von vier Millionen. Auch Wassily Kandinskys "Berglandschaft mit Dorf 1" war weit mehr gefragt als angenommen mit einem Verkaufspreis von 4,9 Millionen Dollar (geschätzter Höchstwert 3 Millionen). (APA/dpa)

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