Wintersaat gefährdet: 7,5 Millionen Afghanen vom Hungertod bedroht

6. November 2001, 19:54
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Welternährungsorganisation bezweifelt Sinnhaftigkeit von Lebensmittelabwürfen

Rom - Der Abwurf von Hilfspaketen über Afghanistan im Zuge der amerikanisch-britischen Offensive gegen die Taliban und den internationalen Terror ist offenbar nur ein Tropfen auf den heißen Sand. Ob die Mengen ausreichen, sei fraglich, ebenso wie die Tatsache, ob die Pakete überhaupt bei den "Adressaten" ankämen und wie viele der Güter in vermintem Gebiet landeten, wie FAO-Pressesprecher Erwin Northoff heute, Dienstag, am Rande der 31. Tagung der Welternährungsorganisation sagte.

Ein noch weit größeres Problem ergebe sich aber aus der Gefährdung der Wintersaaten: Könnten diese nicht doch noch ausgebracht werden, dann werden laut FAO-Schätzungen 7,5 Millionen Menschen in Afghanistan im Frühjahr vom Hungertod bedroht sein. Es geht um den Winterweizen, der spätestens bis Ende September angepflanzt sein muss. Nach Angaben des Welternährungsprogrammes (WFP), das die Nahrungsmittelhilfe für Afghanistan abwickelt bzw. abzuwickeln sucht, macht der Winterweizen rund 80 Prozent des gesamten Getreideproduktion des Landes aus.

Eigentlich war vom Welternährungsprogramm geplant, pro Monat 52.000 Tonnen an Nahrungsmittelhilfe in Afghanistan abzusetzen. Dies ist wegen der Bombardements derzeit aber nicht möglich. Die großen Versorgungsprobleme Afghanistans nach drei Dürrejahren und mit einer ohnedies darniederliegenden Infrastruktur würden nun laut FAO durch die Gefährdung der Wintersaaten dramatisch verschärft. (APA)

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